Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel

MCVL @, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:39 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Freitag, 18. Oktober 2024, 23:29

Dass die Denkmalpflege oft zurückhaltend agiert, ist doch nachvollziehbar. Woher sollte dort denn die Expertise für Orgeln kommen, wenn nicht "zufällig" vorhanden?
Wenn schon an die OSV so hohe Maßstäbe angelegt werden, und das begründet, wie sollte denn die Denmalpflege da mithalten können, zumal dort ein breites Spektrum an Fachdisziplinen dann gleichermaßen abgedeckt werden müsste. Die Denkmalpflege wendet sich halt ebenfalls an OSV. Wenn es in der Region genügend gibt, vielleicht an einen anderen als den regional zuständigen oder von der Gemeinde gewählten. Das kann schon mal eine neue Sicht bringen.

In Baden-Württemberg gab es viele Jahrzehnte hindurch Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts. Der wohl prominenteste von ihnen war bekanntermaßen Walter Supper, der aber mehr Verderben als Segen für historische Orgeln in Württemberg brachte und der oftnals nicht der Sache, sondern seinen oftmals abstrusen Vorstellungen einer idealen historischen Wahrheit huldigte. Sein Nachfolger Klaus Könner war von einem ganz anderen Format. Für ihn stand immer die Orgel im Vordergrund, niemals Selbstverliebtheit und er legte sich dabei auch schon einmal mit manchen kirchlichen Orgelsachverständigen und anderen Verantwortlichen an. Unter den vielen Orgeln, für deren Zukunft er gesorgt hat, ist mein Lieblingsbeispiel diejenige von Johann Georg Schäfer sen. aus Göppingen für die katholische Kirche Ailringen an der Jagst. Das schöne Instrument von 1833 war durch Umbauten stillos und nichtssagend geworden. Am Anfang schien der Kampf um die Rettung dieser Orgel aussichtslos, aber Klaus Könner blieb hart und nunmehr befindet sich die Orgel wieder im weitgehenden Zustand ihrer Erbauungszeit.
In den Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg war viele Jahre Bernd Sulzmann der zuständige Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts. Heutzutage mit Sicherheit nicht unumstritten, gelang Sulzmann die Rettung mancher historischen Orgel, gerade des 19. Jahrhunderts, wobei auch er sich mehrfach mit den Kirchenbehörden anlegte. Sulzmanns erstes großes Manko waren aber seine Maßnahmenkataloge, die er seinen Gutachten beifügte. Aus heutiger Sicht verursachen etliche darin aufgeführte Punkte Kopfschütteln und zum Glück wurden viele seiner Vorschläge so auch nicht realisiert. Beispielsweise verlangte Sulzmann bei Kegelladen regelmäßig das Anbringen von Hülsen aus Kunststoff oder Gummi an Leitstiften der Kegel, um das "Geklirre" (eine bessere Beschreibung für dieses Geräusch fällt mir leider momentan nicht ein) bei Bewegungen der Ventile zu eliminieren. Dies hätte zur Folge gehabt, daß entweder die Schlitze der Führungsscheren aufgeweitet oder völlig neue passende Scheren eingesetzt worden wären. Über das Kosten-/Nutzen-Verhältnis und das der Vorschlag von einem Denkmalpfleger kam, brauchen wir wohl nicht wirklich zu diskutieren. Eine weitere Spezialität Sulzmanns war die Idee, an Orgeln, die einen freistehenden Spieltisch zum "Vorwärtsspielen" besitzen, diesen weiter in Richtung Kirchenschiff zu versetzen. Aus ergonomischer Sicht derjenigen, die an solchen Orgeln spielen, sicherlich verständlich, aber aus der Feder eines Denkmalpflegers? Man stelle sich mal die nicht unerheblichen Eingriffe in die Trakturen vor.
Sulzmanns zweites Manko war oft die Verdrehung historischer Fakten, sei es durch Aktenfunde, aus denen er bewußt oder unbewußt sich irgendwelche Halbwahrheiten zusammengebastelt hat, sei es durch seine Befunde an den Orgeln selbst und seine daraus gezogenen Schlüsse. Besonders ins Fettnäpfchen getappt ist Sulzmann an der Spiegel-Orgel in Reichenbach am Heuberg, an der Braun/Benz-Orgel in Horgen oder in Kippenhausen.

Wenn die drei sich aber "bestens verstehen", wird das Meinungsbild vielleicht auch nicht breiter. Das wiederum könnte aber nicht nur an Freundschaften liegen, sondern schlichtweg auch daran, dass es doch eine Mehrheits-Sicht auf ein Thema gibt, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt. Will sagen:
Gäbe es so eine Kommission für HL Marien, wären da außer Hans-Martin Petersen noch zwei weitere OSV zugange. Aber würde das die Kemper-Orgel schützen? Zur zuständigen Denkmalbehörde in Schleswig-Holstein kann ich nichts sagen.

Wenn nun die drei gut bekannt oder gar befreundet sind und einer hat eine abweichende Meinung? Dann müsste er, wenn er seiner Arbeit pflichtgemäß nachkommt, den anderen seine Bedenken darlegen und begründen, was nichts mit brüskieren zu tun hat, sondern mit dem, was ich in einem anderen Post als seriös bezeichnet habe. Machen die anderen auch rein der Sache wegen ihren Job, wird man den Argumenten des Abweichlers zuhören und ernsthaft darüber diskutieren. Hat er aber Gewissensbisse, womöglich seine beiden Spezeln zu verärgern, dann muss er so charaterstark sein und sich aus dem Projekt zurückziehen und nicht des lieben Friedens willen den anderen das Wort reden. Das wäre meiner Meinung nach in jeder Hinsicht unseriös.


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