Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 10:37 (vor 696 Tagen) @ Max Reger

Dass die Denkmalpflege oft zurückhaltend agiert, ist doch nachvollziehbar. Woher sollte dort denn die Expertise für Orgeln kommen, wenn nicht "zufällig" vorhanden?
Wenn schon an die OSV so hohe Maßstäbe angelegt werden, und das begründet, wie sollte denn die Denmalpflege da mithalten können, zumal dort ein breites Spektrum an Fachdisziplinen dann gleichermaßen abgedeckt werden müsste. Die Denkmalpflege wendet sich halt ebenfalls an OSV. Wenn es in der Region genügend gibt, vielleicht an einen anderen als den regional zuständigen oder von der Gemeinde gewählten. Das kann schon mal eine neue Sicht bringen.
Zu Lübeck Marien könnte übrigens auch eine solche Kommission eingesetzt werden, wie sie in Rostock installiert wurde, gehört doch beides zur Nordkirche. Da sind nach dem Regelwerk zwei weitere OSV hinzuzuziehen, die nicht mit dem Projekt befasst, also nicht schon der gewählte OSV der Gemeinde sind.

Wenn die drei sich aber "bestens verstehen", wird das Meinungsbild vielleicht auch nicht breiter. Das wiederum könnte aber nicht nur an Freundschaften liegen, sondern schlichtweg auch daran, dass es doch eine Mehrheits-Sicht auf ein Thema gibt, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt. Will sagen:
Gäbe es so eine Kommission für HL Marien, wären da außer Hans-Martin Petersen noch zwei weitere OSV zugange. Aber würde das die Kemper-Orgel schützen? Zur zuständigen Denkmalbehörde in Schleswig-Holstein kann ich nichts sagen.

Denn die Kemper-Orgel steht ohnehin insofern unter einem gewissen Denkmalschutz, dass sie fest mit einem Denkmal von nationalem Rang, nämlich der Marienkirche, verbunden ist. Die Orgel ist zwar nicht als Einzeldenkmal eingetragen, aber, wie gesagt. Insofern muss die Behörde eingebunden sein, kann aber trotzdem auf Abgängigkeit der Orgel entscheiden, wenn sie ein entsprechendes Votum von Sachverständigen erhalten hat, in dem begründet wird, warum das Ding zwar alt, aber nicht wertvoll sei.

Und was soll ein Denkmalpfleger gar sagen, wenn zwei Sachverständige völlig Verschiedenes ermitteln? (Kennt man ja auch von anderen Gutachten).
Wenn Herr Lüdke (stellen wir uns ihn bzw. Sie als zugegzogenen Gutachter vor) und Herr Petersen völlig gegensätzlich argumentieren, was wird der Denkmalpfleger machen? Weitere Sachverständige hinzuziehen. Oder einen, mit dem man sich gut versteht, wo man schon "stets gut zusammengearbeitet hat" oder so. Wie hoch ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Kemper-Orgel gerettet würde?

Wir kommen auch in diesem Thema an die klassischen Fragen von Mehrheits- und Minderheitsmeinungen (ich will jetzt nicht Einzelmeinung sagen). Sicherlich ist es einfach besser, mehrere Stimmen zu sammeln. Aber die könnten dann auch gleichlautend sein.

Und Rostock lehrt:* Drei international anerkannte Orgelbauer erklären ihre Sicht zum Umgang mit dem vorhandenen Pfeifenwerk: Einer will fast alles übernehmen (und ggf. relativ schonend umarbeiten). Einer will nichts übernehmen außer Posaune 32/16, empfiehlt aber das "Zusammenbleiben" des Bestands an anderem Ort. Und einer sagt: Weiß noch nicht, muss man noch viel genauer anschauen und hängt von der letztlich gewünschten Stilrichtung ab, aber man würde schon wollen...
Alle drei argumentieren ausführlich und nachvollziehbar.

Was soll der Denkmalpfleger jetzt dazu sagen? Die vier beteilligten OSV sind ja eigentlich "raus", wenn man streng ist, weil nahezu keiner Praxis als Intonateur hat. Schon gar keine jahrelange. Man müsste also den Intonateuren/Werkstätten glauben.
Also, ich frage noch einmal: Wie soll der Denkmalschutz da zu einer Entscheidung kommen? Losen? Einfach nichts machen, alles verbieten, Zustand der Orgel einfrieren?

Es geht einfach nicht ohne Reibungs- oder Substanzverluste.

*) Ja, Infos kommen in Kürze, hab ich doch versprochen, bin intensiv dran neben dem Tagesgeschäft....


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