Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 09:34 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 18. Oktober 2024, 09:50

> Das relativ radikale Zurückrestaurieren auf ein fernes Datum ist zum Glück auch gelegentlich in Frage gestellt worden, denn auch da gibt es das Risiko von Verlusten. Diese Diskussion ist allerdings auch wieder ein Einfallstor für modische Einschätzungen (BEibehalten veränderte Tonumfänge, Stimmungen, "nützlicher" zusätzlicher Register). Hilfreich ist sicher eine breite Diskussion.
[quote]Insofern ist auch unsere Diskussion um Lübeck Marien hilfreich, weil die Befürworter des Abgangs der Kemper-Orgel sich permanent an den Bewahrern abarbeiten.
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Den noch einigermaßen original erhaltenen Großwerken kann man nur wünschen, dass ihnen mit mehr Sachverstand und Gewissenhaftigkeit begegnet wird als es in Lübeck geschieht und geschehen ist.
Dort hat sich die Denkmalpflege eigentlich komplett rausgehalten und alles dem ""Orgelsachverständigen"" überlassen.
Das dieser Mann (Hans-Martin Petersen) einen solchen fachlichen Nonsens verbreiten und damit Politik machen konnte und kann, dass seine Elaborate die Entscheidung eines Kirchenvorstandes begründen, ist geradezu skandalös. Wer (im Gegensatz zu ihm) wirklich etwas von der Materie versteht, und über lange Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte Berufserfahrung verfügt, kann da nur den Kopf schütteln, was sich da alles als "Orgelsachverständiger" ausgibt und enormer Reputation erfreut.
Ob soviel Dillentantismus in anderen Bereichen (Bausachverständiger, Statik, KFZ) überhaupt denkbar ist? Die Frage stelle ich mir regelmäßig.

Diese ""Sachverständigen"" (in Orgelbauerkreisen wird da eher von "Schwachverständigen" gesprochen, oftmals wohlbegründet) arbeiten - wir wissen es eigentlich wohl alle - weitgehend im "luftleeren Raum", soll heißen: in nahezu jeder Hinsicht ist dem Einfluss dieser Menschen kaum etwas entgegenzusetzen, weder dienstrechtlich noch anderweitig. Der Orgelbau ist für die aller-, allermeisten Menschen der Inbegriff des "Buches mit sieben Siegeln" und da wird regelmäßig und geradezu blindlings den Ausführungen des ""Orgelsachverständigen"" fast im Blindflug vertraut.

Als echten Glücksfall habe ich erlebt, wie ein Symposium zum weiteren Umgang mit der Orgel in Lüneburg, St.Johannis ausgegangen ist. Dieses Werk - verändert (und entstellt) über Jahrhunderte hinweg - ist für sich genommen (immer noch) so schön und zugleich kompliziert, dass die Empfehlung des Symposiums NICHT dahinging, eine Restaurierung auf irgendeinen zu definierenden Status quo ante zu betreiben. Es waren sich die Teilnehmer mehrheitlich aus Respekt vor diesem gewachsenen Zustand sicher, dass jedwede verändernde Maßnahme ganz erhebliche Konsequenzen aufwiese.
So viel Respekt im Umgang mit Bestandswerken wünschte ich mir öfter!


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