Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 18. Oktober 2024, 15:36 (vor 697 Tagen) @ fluteceleste


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Das Gebäude hatte danach eine sehr wechselhafte Geschichte, zunächst privatisiert u.a. als Kino und Nachtclub, später wieder vom Museum zurückgekauft - heute ist es das "Forum der Zukunft".

"Bei dieser außerordentlichen Wirkung zarter Töne müsste man sich unwillkürlich vor dem Hereinbrechen des gesamten Orgelklanges, den Orgeltuttis (sic) fürchten, und doch - je stärker das Instrument ertönt, je mehr klingende Pfeifen hinzutreten, desto kräftiger erfasst die formende Kraft des Raumes die Klangmassen und erlaubt ihnen nicht, das zuchtvolle Maß der Schönheit zu überschreiten..."

Vor meinem geistigen Auge erscheint gerade die formende Kraft des Raumes, wie sie furchtlos den heranstürmenden Klangmassen zuchtvolle Einhalt gebietet - ungefähr so, wie der Erzengel am Schluss von Murnaus "Faust" Mephisto entgegentritt....

Es bräuchte mal eine germanistisch-stilistische Untersuchung: "Das Pathos als stereotype Sprachform in deutschen Orgel-Abnahmegutachten von 1850 bis 1950". Könnte eine nette Dissertation werden. Man kann sich schon unschwer die dortigen Zitate vorstellen: ".....auch ohne dem sprachlichen Schwulste anheimzufallen, sieht der Verfasser sich genötigt zuzugestehen, dass sich das Werk sowohl in Güte und Schönheit der Einzelstimmen als auch im tiefste Seelenabgründe erschütternden vollen Spiele der Schöpfungen der barocken wie gegenwärtigen Orgelkunst als zur Gänze in geradezu hervorragender Weise geeignet erweist, dem deutschen Orgelbau zu unerschütterlichem Weltruhme zu gereichen", oder so ähnlich...

Tucholsky spottete in "Die Essayisten" über Autoren aus "Wichtigstein an der Phrase", deren Sätze kalte Umschläge bräuchten, um abzuschwellen. Der Mann hat nie Orgelgutachten gelesen. Da wären selbst ihm schnell die Umschläge ausgegangen.....


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