Aus Lübeck, war: Orgel-Bewegungen

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 27. März 2025, 13:27 (vor 531 Tagen) @ Max Reger

Dass Orgeln (u.a.) aus dieser Epoche (vergleichsweise) schwer spielbar sind, ist relativ normal, weil diesem Aspekt in früheren Zeiten auch kaum eine Wertigkeit zugeordnet gewesen ist.
Die zahllosen Konzerte E.E. Stenders und mancher anderer belegen den Grad an Substanz von Aussagen, wie sie u.a. Hans-Martin Petersen angestellt hat. Auf neudeutsch würde man von "Fake" sprechen.
Die Schwergängigkeit der Trakturen in Lübeck will ich überhaupt nicht in Abrede stellen. Indessen sind sie von Hause aus erst einmal "normal" gewesen und bei einem Werk dieser Dimension erst recht.

Also einfach hinnehmen, weil es (bei Kemper) nicht besser ging? Ein guter Vergleich ist nahezu zeitgleich errichtete Marcussen-Orgel in Linz. Da gibt es wahlweise Barker für die KOPPELN. Der Normalbetrieb ist angenehm.

Wir haben hier schon viel über EES gesprochen, und es ist mir auch unangenehm, damit wieder anzufangen. Stender schuf eine Menge, mit Betonung auf Menge. Wir haben das Masse/Klasse-Thema gerade im anderen Thread (wo auch dies hier alles eigentlich hingehören würde, aber gut, es ist die Fortschreibung des Lübeck-Abzweigs...), und keinesfalls will ich sagen, bei Stender gab oder gibt es - die CDs sind weiter in Marien erhältlich - nur Masse. Vielleicht hätte ja auch er noch faszinierender und freier gespielt, wenn er noch bessere Instrumente (sowohl Führer als auch Kemper) zur Verfügung gehabt hätte. Mit besser meine ich nicht, dass gediegen und fehlerfrei gespielt wird, das ist ja alles da.

Ist ein Walcker-Serienpositiv der Wiener Musikhochschule schon deshalb geadelt, weil Wolfgang Zerer, Bine Bryndorf, Jürgen Essl, Pier Damiano Peretti - um jetzt nur einige der dort ausgebildeten heutigen Professoren zu nennen - jeweils 100 Stunden darauf geübt haben? Da landen wir doch bei den Souvenir-Jägern, die auf Auktionen hohe Gebote für den Klodeckel einer prominenten Persönlichkeit abgeben, sorry.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die aktuellen Lübecker Argumentationen tendenziös wirken oder es vielleicht auch sind. Ob die Spanplatten wirklich ein Problem sind oder oder oder... da bin ich zu wenig drin. Was ich aber sagen kann: Während des Einregistrierens und Übens für mein Konzert an der Kemper freute ich micht wieder auf "zu Hause", die Rostocker Mühle - und ich bin wahrlich nicht verwöhnt, woher denn? An der Traktur lag's nicht, das war vielleicht der einzige Aufstieg von Rostock aus, da mechanisch. Aber vor allem die Zungen - ich habe in Rostock Regal und Sordun, aber auch Posaunen und Trompeten. In Lübeck habe ich gefühlt Regal und viele Dulciane.
Hab mir noch mal Stenders Video von Reger BACH reingenommen, um nicht wieder daneben zu liegen. Der Mann muss ganz schön schuften am Ende, und auch wenn meine Zungen-Bemerkung zugespitzt ist, irgendwie stimmt's doch. Und tatsächlich frage ich mich, würde er freier spielen, wenn das nicht so eine Arbeit wäre.
Denn aus bekannten (?) Gründen sah man es einstens als Heldentat an, mehr als 70 Register mechanisch spielbar zu machen (zum Glück hatte man verworfen, eine mechanische Registertraktur zu bauen). Aber heute wissen wir, dass dies die Verselbständigung einer Idee ist, die nicht nur die Vor- und Nachteile einer Technologie abwägt, sondern auch auf eine Kappung der Wurzeln, zumindest der Verbindungsstränge setzte, weil man eine unheilvolle Epoche hinter sich zurücklassen wollte.


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