Romantisch - Symphonisch

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 21. März 2025, 23:34 (vor 537 Tagen) @ jori
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 21. März 2025, 23:45

> Woehl hat schon immer süffisant
[quote]gesprochen. Muss nix heißen.
[/quote]

Guten Abend,
leider ist dieses Forum auch ein Tummelplatz von Menschen, die über Orgelbauer und über Orgelbau lästern - allzu oft auf wenig niveauvollem Level. Und mit oftmals auch nicht unbedingt ausgeprägtem Sachverstand, wie in vielen Bereichen des sog. "Orgelsachvestandes" anzutreffen.
Sei es drum, es ist wohl unvermeidlich. Entschuldigung, aber diese Anmerkung liegt mir nach den obigen Zeilen etwas auf Zunge.....Vielleicht reagiere ich etwas überempfindlich....


Gerald Woehl, für den ich von 1994-2007 gearbeitet habe und dessen "Schule" mir die wichtigste gewesen ist in knapp 45 Jahren praktischem Orgelbau, hat in vielerlei Hinsicht mit der Werkstatt Pionierarbeit geleistet.
Seine Strahlkraft mit opera wie Viersen hat den Orgelbau nachhaltig geprägt und ich hatte immer den Eindruck, dass er in seiner Entwicklung der Instrumente ganz vorne mit dabei war. Dazu zu zählen ist auch der Begriff der "symphonischen Orgel". Ein Gattungsbegriff, der schnell Verbreitung gefunden hat, wenn ich es denn zutreffend begriffen habe. Eines davon steht in Friedrichshafen, in St.Nikolaus. Wer dieses Instrument (live oder auf CD) hört, kann den Ausdrucksgehalt seiner "symphonischen" Werke sehr gut nachvollziehen.
An dieser Stelle wollte ich zu einer sehr eindrucksvollen CD verlinken, aber die Technik dieses Forum spielt da nicht mit: Matthias Balzer hat in Nikolaus eine CD eingespielt, die ich nur wärmstens empfehlen kann. In dieser Einspielung wird - vergleichbar Viersen - die in meinen Ohren und Augen überragende Synthese aus Barock und Romantik der französischen Klangsprache nachvollziehbar - in einem Instrument!
Nur hunderte Meter "nebenan", in Petrus Canisius (mein erste Mitarbeit) hat Gerald Jahre später und unter dem Eindruck des Kirchbaus von 1927 und natürlich der sehr reflektierten Ideenstifterin und Kirchenmusikerin an Perus Canisius, Veronika Weber, den Orgeltypus erstmalig fortgeschrieben und mit einem deutsch-romantischen Anteil (wer hat das zu der Zeit sonst noch realisiert, zu Beginn der 1990er Jahre?) eine ganz eigene Richtung eingeschlagen. Hier ist dann auch der Versuch unternommen worden, die Wiedergabe der Literatur bspw. von Reger und Liszt zu ermöglichen (soweit das in einem Kompromisskonzept überhaupt möglich ist).
<https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1009466080>
Veronika Weber hat ("passgenau") als ersten Orgelklang nach der Weihe durch Bischof Kasper aus Rottenburg das Reger-Gloria aus op.59 gespielt. Darin kam dann auch perfekt zum Ausdruck, wovon hier die Rede ist.
Eigentlich müsste Gerald die Philosophie seiner Konzepte hier mal niederschreiben, aus dem Handgelenk verweise ich mal auf die Einweihungsschriften zu den Werken (habe ich gerade nicht zur Hand).
Soweit mein Beitrag auf diese interessante Fragestellung - spannendes Thema!


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