Aus Hamburg

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 24. März 2025, 17:23 (vor 534 Tagen) @ kjz1

Einen Förderverein gibt es hier auch. Aber der wird von 'amtlicher Seite' auch argwöhnisch beäugt. Denn dieser könnte ja in die 'Pläne von oben hineinpfuschen'. Aus dem Immobilienkonzept des Bistums:

In diesem Kapitel sollen Handlungsalternativen für die folgende Möglichkeit beschrieben werden: In einer Pfarrei gründet sich ein Förderverein (oder ähnliches) [Bsp.: “Orgelbauverein”, “Förderverein Großküche Pfarrheim”], dessen Satzungszweck die Erhaltung eines Gebäudebestandteils der Kirchengemeinde [Bsp.: Orgel, Pfarrheim-Küche] ist. Sollte dieses Gebäude gemäß des Immobilienkonzepts und der Förderrichtlinien nicht mehr zuschussfähig sein (s. vorherige Kapitel), so könnte der Förderverein durch finanzielle Zuwendungen zu Gebäudebestandteilen den Erhalt von Gebäuden [Bsp.: Kirche, Pfarrheim] und eventuell sogar deren Bezuschussung durch das Bistum erzwingen und damit das Immobilienkonzept ad absurdum führen. Fazit: Die Zweckbestimmung von Fördervereinen darf sich nicht auf Entscheidungen des Immobilienkonzeptes auswirken.


Also hat man hier schon vorgebaut, dass Fördervereine nicht in die Quere kommen...

Danke für den Link. Liest man die Erklärungen eine Seite weiter, kann man diesen Absatz, den ich auch nach mehrmaligem Lesen nicht wirklich verdauen konnte, besser nachvollziehen. Das Bespiel mit einer vom Verein sanierten Orgel in einer Kirche, die auf einmal (?) als einsturzgefährdet erkannt wird und aufgrund des geleisteten Orgel-Engagements doch nicht kurzerhand aufgegeben werden kann, passt ja zu den kürzlich hier im Forum beklagten Fällen aus dem Rheinland.
Auf Seite 7 wird das Engagement von "Vereinen" (ohne "Förder-") doch noch grundsätzlich als Alternative gesehen.
Am beeindruckendsten waren für mich die mathematischen Formeln auf Seite 9/10 zur Ermittlung, welche Kirchen förderfähig sind und welche nicht. Das ist schon sehr theoretisch und wird den Ruf nach Ausnahmen provozieren (bzw. hat es wohl schon? Ist ja von 2023).

Wolfgang hat auf die in den Niederlanden übliche Kirchenstiftungen hingewiesen, die einspringen, wo die kirchliche Gemeinschaft als Eigner aufgeben musste. Allerdings sind dort auch die Kommunen stark engagiert - das sehe ich in D nicht so kommen, vielleicht am ehesten noch in Bayern. Auch sind das immer Lösungen für städtische Räume, wo es möglich wird, die Kirchenraum auch anders mit Sinn und Nutzung zu erfüllen, ohne dass gleich ein Restaurant oder ein Wohnobjekt daraus wird.

Bei dieser Gelegenheit etwas aus meiner gemeindlichen Realität:

[image]
Wikipedia, (c) Darkone

Die Rostocker Nikolaikirche - unten im Schiff eine scheinbar erhaltene, wenn auch der Inneneinrichtung beraubte dreischiffige Hallenkirche, ca.770 Sitzplätze, Heizung etc.
Im Dach: 13 Wohnungen und einige Gästezimmer, Turm mit 10 Etagen (überwiegend kirchliche Büros), eingerichtet 1976 bis 1985. Die Abwasserleitungen der Wohnungen werden langsam marode, sie laufen im Bild unter den Wohnungen von links nach rechts in den Turm, mit leichtem, eventuell doch zu leichtem Gefälle. Immer häufiger muss professionell gereinigt werden, wenn ein Rohr kracht, läuft's in das (rekonstruierte) Gewölbe. Installationsbetriebe lehnen bisher eine Überarbeitung ab, da die Arbeitsbedingungen schwierig sind. Hätte man höhere Mieten nehmen müssen, um die erwartbare Sanierung vorzufinanzieren? Eigentlich ja, aber wie hätte das wieder ausgesehen? Das Projekt wurde in der DDR gegründet - die Altstadt war wie überall im Osten unsaniert und wohnlich eine Katastrophe, für kirchliche Mitarbeiter und Ruheständler war die "Platte" quasi gesperrt, so schuf man eigenen Wohnraum. War lange gut und richtig, jewtzt wird es teuer. Auch die Nactspeicheröfen (!!) beginnen, sich aufzulösen. Zentralheizung (Fernwärme) neu einbauen im Kirchendach? Die Bauverwaltung warnt vor noch mehr Wasser im Haus. Eine PV-Anlage gibt es schon auf dem Süddach, noch ausbaufähig (Das Denkmalamt murrt zur Zeit noch). Wie hier das nötige Wunder aussehen wird, ist noch unklar. Der laufende Betrieb mit Vermietung des Kirchenraums für Veranstaltungen (aber auch Gottesdienste) trägt sich halbwegs, aber eine große Renovierung... eine von drei dreischiffigen Kirchen einer Gemeinde mit inzwischen nur mehr 3.600 Mitgliedern.... (und, natürlich, drei Fördervereinen ;-)


gesamter Thread:

 

powered by my little forum