Woehl

Orlos @, Samstag, 22. März 2025, 02:13 (vor 538 Tagen) @ Max Reger

Ganz subjektiver Eindruck:
Als junger Organist war ich von Woehl-Orgeln stark beeindruckt. Wenn man die eher blassen Orgeln von Mayer (Heussweiler), Oberlinger und Förster&Nicolaus gewöhnt war, öffneten die Woehl-Orgeln eine ganz andere Welt. In den Sommerferien bin ich mit der Bahn durch ganz Deutschland gefahren und habe viele Orgeln ausprobieren dürfen. Interessanterweise finde ich heute noch die frühen Woehl-Orgeln spannender als die späten Instrumente. In der "Kugelkirche" in Marburg wollte ich gar nicht mehr weg vom Spieltisch, es macht einen unglaublichen Spaß, dort zu improvisieren. Man kann gefühlte Ewigkeiten mit einzelnen Registern herumspielen, es wird nie langweilig. Viersen fand ich einfach überwältigend, diese Differenziertheit in den einzelnen Registern, aber auch die herrliche Wucht des ganzen Ensembles. In der Heidelberger Musikhochschule steht jetzt eine gebrauchte Woehl-Orgel, von den Studenten ziemlich kritisiert. Ich mag diesen Stil aber sehr gerne und hatte damit fast mehr Spaß als mit der großen gezähmten Schiegnitz-Orgel. Ich kenne auch ein paar kleinere Restaurierungen von barocken Instrumenten, sehr frisch und inspirierend.
Friedrichshafen, St. Nikolaus, gefiel mir auch noch gut, dann wurden die Orgeln runder, abgeschliffener, konventioneller. In Cuxhaven und Mannheim fehlte es mir an "Kantigkeit" des Klanges, Friedrichshafen, St. Canisius, war mir zu weich. Die große Orgel in München (Herz-Jesu) steht in einem ziemlich stumpfen Raum, der Klang kam mir (im Vergleich zu frühen Woehl-Orgeln) steril vor.
Was mir leider auch auffällt: Woehl-Orgeln machen schnell einen "abgespielten" Eindruck. Die extrem vielen mechanischen Koppeln (auch Super- und Subkoppeln, Zungenkoppeln etc.) sind wahrscheinlich schwer zu regulieren, jedenfalls erlebte ich oft Heuler. Ich habe ein wenig den Verdacht, dass die Genialität Woehls nicht immer zu handwerklich langfristig haltbaren Detaillösungen geführt hat. So etwas gibt es ja auch bei anderen Orgelbauern, die gerne Neues ausprobieren, da steckt eben immer auch ein Risiko drin.


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