Aus Lübeck, war: Orgel-Bewegungen, war: Woehl

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 23. März 2025, 18:30 (vor 536 Tagen) @ Max Reger

Ich wollte länger über meinen Lübeck-Aufenthalt am 8./9. März schreiben, aber es verschob sich und nun mache ich es kurz...

Samstag 17 Uhr (die Einführung dieses Termins hatten wir schon mal besprochen) Besuch des nun den Winter über gemeinsamen Gottesdienstes von Marien und Jakobi in der heizbaren Seitenkapelle von Jakobi. Trotz der Heizbarkeit und des eigentlich schönen Raumes kommt bei mir nicht recht Freude auf. Pastor Pfeifer (Marien) kann michg nicht recht entflammen. Wir sind 33 Erwachsene, 3 Jugendliche 3 Kinder. Die angekündigten "Instrumentalsolisten" sind nur eine, aber sehr gute, Geigerin, die drei Solostücke (teilw. Bach-Partitensätze) und eines mit b.c. spielt. An der Truhenorgel wirkt solide Arvid Gast, der die nur zwei Gemeindeglieder unauffällig aber sehr gut singbar (mein Dauerthema: Artikulierte Liedbegleitung) unterstützt.

Ja, wenn das zumindest auf dem Papier der gemeinsame GD zweier ehemals selbständiger Gemeinden ist, dann möchte man Herrn Lüdke Recht geben bei der Klage über die Leere in Lübecker Kirchen.

Wechsel zum Dom: Dort am Sonntag Kaffee im relativ neuen Bäckerei-Café im Domhof...

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...beim Gang an der Trave entlang kommt man westseitig am Dom an Info-Ständen zur Turmsanierung (28 Mio EUR) vorbei. Mehrere kleine Mauern und Türme sind aufgebaut, Teil der "Materialerprobungsphase", man prüft das Zusammengehen unterschiedlicher Werkstoffe im mit Treibmineralien durchsetzten historischen Mauerwerk, aus dem man auch zu Prüfzwecken eine ganze Ecke entfernt hat. Hohe Kunst der Gebäudesanierung.

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Im Gottesdienst, seit der letzten Innenstadt-Refrom um 10 Uhr, über 100 Erwachsene,m ca. 25 Konfirmand:innen (die hatten aber wohl am Vortag irgendeine Veranstaltung) und ebenfalls ganz wenige Kinder.... Aber hier sind es noch 16 Grad, schöne Morgensonne, der gelungene Grundmann-Umbau mit den schönen Prinzipal- und Ausstattungsstücken für das Abendmahl, das sehr intensiv wahrgenommen und begangen wird - heile Welt sozusagen! Und es tut mir persönlich gut. Johannes Unger spielt erneut sehr schön, aber reichlich: 7 Minuten Buxtehude (BuxWV 148) als Vorspiel. Einerseits herrlich mit der Marcussen-Orgel, begonnen am HW Prinzipal 8'... aber ich beobachte die Konfirmanden. Sie tragen es mit Fassung, man kennt es in dieser Kirche auch nicht ohne ausgiebiges Orgelspiel. Sehr gute Liedbegleitung und Inotnationen. Zur "Festen Burg" gibt es eine Into, die sehr dem Satz aus Regers op. 79b ähnelt, es war aber in C-Dur. Entweder transponiert oder eine improvisierte Annäherung oder.... Kräftiger Schluss, kräftige erste Strophe, die Gemeinde hält gegen an. Für "Von Gott will ich nicht lassen" gibt es ein Vorspiel, welches das Hauptthema von Mussorgskys "Bydlo" aus den "Bildern" als Ritornell-Motiv nutzt. Hatte was.
Zum wie gesagt langen Abendmahl gab es den Mittelsatz aus einem Bach-Vivaldi Konzert (vergessen, welches) und eine Tierce en Taille von de Grigny, als Postludium Titelouze "Pange lingua". Die Abkündigungen nach dem Predigtlied wurden von Pastor Klatt mit einem "ganz herzlichen Dank" an das schöne Orgelspiel von Johannes Unger eröffnet - tja, das ist die Wertschätzung, die einige hier regelmäßig vermissen.
Im Nachgang ergab sich ein Plausch mit Johannes Unger. Wir sind Kollegen, keine engen Freunde oder so, ich habe also keinen Grund, irgendetwas einzufärben. Das Orgelspiel war einfach durchgängig gut und schön, aber das Ambiente unterstützt das natürlich sehr. Zur Marien-Orgel haben wir Einiges gequatscht, ich will nicht alles hier breittreten, es war ja kein Interview. Mehr gleich nach der kleinen Fotostrecke:

Zunächst einmalk: Wenn man jetzt nach Marien geht, strömt einem gleich ein modriger Geruch entgegen. Ob alte oder neue Orgel, das wird Thema bleiben. Die Führer-Orgel hat ja ein starkes Schimmelproblem. Neu in Marien ist eine Ausgrabung, die die romanische Basilika (also eine kleine Ecke davon) im Chor der Kirche sichtbar macht. Das ist spannend für Fans dieser Kirche:

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Im Chor gibt es auch eine Ausstellung zum Sanierungsbedarf. Gemeäß der neuen Gemeinsamkeit wird nicht nur über Marien, sondern auch über die Dom-Turm-Sanierung informiert. Die Eckdaten sind in beiden Fällen "erschütternd":

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Auch hier sind über 20 Mio Euro veranschlagt. Dass das möglich SCHEINT, liegt daran, dass die Orgelmaßnahmen sämtlich aus der Finanzierung herausgenommen wurden, um die Kofinanzierung der Fördermittel zu ermöglichen. Insofern '"träumt Herr Unger seine Orgelträume ohn´ Zaudern weiter", um Herrn Lüdke zu zitieren. Aber es bleibt ein langfristiges Träumen, und von einem Scahverständigen-Honorar kann noch lange keine Rede sein.
Nach der durch Spende einer Million möglich und fertig gewordenen Sanierung der Briefkapelle geht es an den ersten Abschnitt, Westseite innen. Und tadaaa, das wollt Ihr sehen - das Gerüst, das sowohl zum Abbau der Orgel wie auch zur Begutachtung und Sanierung der Westwand (nach Orgel-Beräumung) dienen soll:

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Dass es nicht nur um die Orgel geht, zeigen die Plattformen an der Wand. Insgesamt heftige Dimensionen. Kenner wissen, dass dieses Gerüst im oberen fünfstelligen Euro-Bereich (oder sogar schon sechsstellig) rangiert:

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Am Dienstag, 11. 3., sollte der Abbau des Instruments begonnen haben. Ladach führt diesen durch. Ein Teil der Orgel könnte anschließend noch nach Valley kommen, aber das ist, wenn ich richtig verstanden habe, noch nicht raus. Die Platzprobleme etc. dort sind im Forum ja öfter Thema gewesen.

Wie gesagt: Ob die erste Realität werdende Großorgel-Aktion rund um die Lübecker Bucht in Lübeck St. Marien, Rostock St. Marien oder doch Wismar St. Georgen stattfindet, ist zur Zeit nicht zu greifen. Vielleicht überholt Wismar noch als Underdog, ist dort doch wenigstens die Bude fit und dem Vernehmen nach auch Geld in Sicht (mehr weiß ich zur Zeit auch nicht, aber das). Für Unger und mich gilt also bis auf Weiteres der berühmte Spruch "Träum' weiter!"

Wir schalten zurück in's Funkhaus.


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