Max Reger: Fantasie und Fuge d-moll op. 135b

Karsten @, Montag, 23. Juni 2014, 10:42 (vor 4512 Tagen) @ CB

Die folgenden Zeilen sind zwar zugegebenermaßen etwas aus dem Zusammenhang gerissen,

Macht nichts, zu einigen kann ich Dank des Kritischen Berichts etwas ergänzen. :)

aber es lohnt sich auch gerade diesen Autographen einmal genauer zu lesen. Dann man wird man u. U. feststellen, dass die 96 für die 1/8 in Takt 106 in den Editionen zur einer 66 geworden ist. Warum weiß ich nicht und es wird an dieser Stelle auch sicher niemand pedantisch auf die Stoppuhr schauen. Aber man wird es doch anmerken dürfen, dass es sich dabei um zwei gravierend unterschiedliche Aussagen im Hinblick auf eine vom Komponisten intendierte Tempokonzeption handelt -> die 66 sind zumindest dann schlichtweg zu langsam, möchte man das ritardando der verbleibenden sechs Takte ernst nehmen und möchte man zudem das Thema im Bass auch noch als ein solches erkennen können.

Laut kritischem Bericht fand die Tempoänderung im nächsten Korrekturstadium statt. Das "Meno vivace 1/8 = 96" der Stichvorlage/Manuskript wurde auf dem 1. Korrekturabzug in das heutige "Moderato molto 1/8 = 66" des Erstdrucks geändert.
Eigene Vermutung: Diesen Korrekturabzug besprach Reger mit Straube. Solch eine Tempomodifikation könnte durchaus eine von Straube angeregte Änderung sein.

Es gibt übrigens auch einen käuflich erwerblichen Autographen von op. 46 - und auch den lohnt es sich unvoreingenommen einmal zu studieren. In Takt 41 beispielsweise lese ich da und spiele entsprechend in der Tenorstimme ein a. Zumindest in der Editionen Breitkopf ist anstatt des Auflösungszeichens des Autographen ein b notiert. Warum und woher darf man doch fragen?!

Universaledition (Erstdruck) und RWA haben ebenfalls ein "a" mit Auflösezeichen. Scheint also ein Druckfehler der B&H-Ausgabe zu sein.

In der Wachet auf - Fuge gibt es einen fragwürdigen Themeneinsatz und zwar zunächst in allen mir bekannten Quellen identisch. Unterstellt man an dieser Stelle trotzdem einen Stichfehler, ein Druckfehler, einen Verschreiber des Komponisten, was auch immer und korrigiert sie entsprechend um eine Terz nach oben, ist die Stelle plötzlich musikalisch nicht nur logischer, sondern durch das Eliminieren der Parallelen auch satztechnisch richtig.

Diese Stelle ist auch ein kurioses Beispiel für die genaue Arbeit der Musikwissenschaftler. In der RWA wurde diese Stelle mit einer Fußnote versehen und angemerkt. Dieser Satzfehler fände sich in allen Quellen, daher sei er auch hier so wiedergegeben.
Die naheliegende Möglichkeit, dass sich Reger schlicht verschrieben habe und der Fehler eben durch mehrere Korrekturgänge gerutscht sei, war nicht ausreichend um den Text zu ändern.

Ist das „Anmaßung“ oder etwa ein „Verkennen der Meisterschaft Max Reger´s“? Nach meiner Einschätzung ist es genau das Gegenteil.

Nun ja, diese Beispiele sind Details, die nicht mit der massiven Kürzung vergleichbar sind. Hier hilft die Musikwissenschaft und gut kritische Berichte natürlich sehr um zu einer eigenen begründeten und überzeugenden Interpretation zu kommen.

Gruß
Karsten


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