Max Reger: Fantasie und Fuge d-moll op. 135b

CB, Samstag, 21. Juni 2014, 12:02 (vor 4515 Tagen) @ CB

Auch unter Berücksichtigung des entsprechenden Kontextes und unter objektiven Kriterien - d. h. von inhaltlicher und formaler, über eine musikalische Analyse der Texte - bis hin zu einer Interpretation, hält m. E. die gekürzte Fassung einem Vergleich mit der Ungekürzten nicht stand.
Ich bin nach dieser Arbeit und auf dem Hintergrund eines Studiums der Orgelwerke Max Regers davon überzeugt, dass der Komponist zu diesen Änderungen motiviert worden ist und an der Art und Weise der Kürzungen lässt sich, zumindest nach meinem Dafürhalten, der Protest des Autors auch nicht überhören, geschweige denn überlesen. Wobei es anzumerken ist, dass die drei Kürzungen sicherlich nicht gleichermaßen zu beurteilen sind; über die Kürzung der ersten Fuge könnte man durchaus diskutieren.
Mutmaßungen zu irgendwelchen Umständen jedoch, die nicht zumindest durch eine Quelle belegbar sind, oder gar in weichgespülte Floskeln formulierte, subjektive Einschätzungen, verbanne ich dabei zunächst einmal prinzipiell aus meinem Meinungsbildungsprozess.
Ich bitte an dieser Stelle um Nachsicht, dass ich mich der zeitintensiven Aufgabe einer detaillierten Ausformulierung und insbesondere einer anschließenden, dialogisierenden Kommentierung meiner Standpunkte jetzt und im Moment nicht stellen kann. Ich versichere aber, dass ich das gerne zu späterer Zeit, hier oder an anderer Stelle tun werde.
Einen kurzen Gedanken noch: Dass Reger die gekürzte Fassung zum Druck autorisiert hat, ist im Rahmen einer solchen Diskussion letztlich das Totschlagargument, wenn auch unterm Strich das Einzige und zudem auch noch ein Außermusikalisches. Ob und inwiefern sich da die Mehrheiten trotzdem verlagern werden, wird sich wohl erst noch zeigen, denn die Interpreten der jüngeren Generation genießen hier nämlich schlicht und ergreifend das Privileg der Unvoreingenommenheit. Die ungekürzte Fassung ist ja erst durch die Edition Breitkopf überhaupt spruchreif geworden, ich glaube in den 80er Jahren.
Und ich frage mich gerade, wie es um meine Diplomatie stünde, wenn ich eine fiktive Urfassung beispielsweise der Halleluja-Fuge erlernen müsste.
Im Übringen sollte man sich bei der Analyse Regerscher Fugen und insbesondere seiner Fugenkompositionstechnik unbedingt einmal das Straube-Exemplar der Halleluja-Fuge zu Gemüte führen. Möglicherweise könnte man sich danach nicht nur grundsätzlich, sondern auch gerade in Bezug auf op. 135b etwas dezidierter äußern?!

Liebe Grüße, CB

p.s. Nichts für ungut, aber lasst uns an dieser Stelle zunächst einmal die Diskussion, die ich hier ohnehin nicht wollte, beenden. Aus gegebenem Anlass und mit den diplomatischen Worten Martin Weyer´s zu diesem Thema: „Wie sooft endet auch dieses Match 1:1, um nicht zusagen 0:0“. :-)


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