Max Reger: Fantasie und Fuge d-moll op. 135b

Karsten @, Freitag, 20. Juni 2014, 12:07 (vor 4517 Tagen) @ Posaune16
bearbeitet von Karsten, Freitag, 20. Juni 2014, 12:17

Die ungekürzte Version hat zwar auch etwas, aber es entspricht halt einfach nicht dem ausdrücklichen Wunsch und den vom Komponisten selbst vorgenommenen Kürzungen. Die Anregung zur Kürzung stammt zwar von Karl Straube, aber Reger fand diese sehr gut und hat sie deshalb auch umgesetzt.

Die Auswertung der Quellen durch das MRI haben mittlerweile sogar ergeben, dass Reger die Kürzungen in zwei Schritten ganz ohne Einfluss Straubes machte und erst dann die wohl gekürzte Fassung mit Straube besprach.

Zudem kann man hier nicht von Kürzungen im Sinne vom Weglassen Wesentlichen sprechen, sondern von Straffung im Dienste des inneren Aufbaus des Werkes und der dramaturgischen Linie.

Da kann man geteilter Meinugn sein. Denn in der Fantasie wird Material herausgeschnitten, das in der "Reprise" (Takte 45/56 der gekürzten Fassung) zitiert wird. Das wirkt dann ohne den Bezug wiederum etwas zusammenhanglos.
Bei der Fuge kann man eher von Straffung sprechen. Aber das ist dann auch vor allem eine Geschmackssache. Was der eine als Straffung empfindet, beurteilt ein anderer als Verlust einer organischen Entwicklung...

Die Komposition bekommt damit den Charakter von kurz&knackig&prägnant, und bleibt immer noch lang genug und spielersich sehr anspruchsvoll.

Ja, und gerade dieses "kurz&knackig&prägnant" bedauern manche Hörer und Spieler vielleicht. Wobei der Zeit-Aspekt vor allem bei Reger so eine Sache ist: An der reinen Spielzeit erkennt man definitiv nicht, ob es die gekürzte oder die ungekürzte Fassung ist.
Martin Weyer schlägt übrigens folgenden Kompromiss vor: Fantasie ungekürzt, Fuge gekürzt.

Ein Kunstwerk führt ein Eigenleben und es wäre nicht das erste Mal, dass eine offiziell verworfene "Urfassung" von den Rezipienten als "besser" beurteilt wurde...

Gruß
Karsten


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