Vorhandene Orgel sanieren, restaurieren - oder Neubau?

Evacuant, Montag, 31. März 2025, 20:30 (vor 526 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Okay, dann wären diese Beispiele wohl nicht in der Liga, die Du kritisiert hast, wenn Konzepte nicht verstanden werden und stimmige Orgeln stark erweitert werden. Das hieße dann, dass diese Kritik sich z. B. auch nicht auf die Kauffmann-Orgel in Wien bezöge? Denn vermutlich würden wir erstens nicht von einem stimmigen Ausgangskonzept sprechen (oder doch? und nur die Umsetzung war schwach?), und es wäre dann also vergleichbar mit St. Jakobi und St. Sulpice - technischer Neubau unter Übernahme eines Teils des Pfeifenwerks?

Die Kauffmann-Riesenorgel habe ich weder gespielt noch gehört, nur Teile von ihr nach dem Abbau in der Werkstatt gesehen. Von denen, die sie gekannt haben, habe ich wenig Gutes vernommen, sie wird wohl kein Meisterwerk gewesen sein...

Was ich kritisiere, sind Eingriffe an Meisterwerken, die Stil und Intentionen des Meisters nicht respektieren. Viele gutgemeinte Verbesserungen stellen sich früher oder später als Verschlimmbesserungen heraus. Ich würde da zu größter Vorsicht raten. Man schaue sich an, welche Verwüstungen die barockbegeisterte frühe Orgelbewegung an den Barockorgeln angerichtet hat. Kaum hatte man den Wert der Schnitger-Orgel in St. Jacobi wiederentdeckt, hielt man es für nötig, Schwellkästen für Brustwerk und Oberwerk einzubauen. (Das waren noch vergleichsweise harmlose Späßchen.)

In späteren Jahren später hat man dann gern mal die Schwellkästen aus romantischen Orgeln entfernt, damit das Pfeifenwerk freier sprechen kann, die Mixturen etwas höher gelegt und die überflüssigen Sub- und Superkoppeln stillgelegt und fand das super. Inzwischen werden solcherlei "Verbesserungen", wenn möglich, wieder rückgängig gemacht.

Heute werden an den Orgeln der 1960er Jahre gerne die höheren Mixturchöre stillgelegt und dafür Sub- und Superkoppeln eingebaut. Sind wir heute viel schlauer? Oder haben wir vielmehr nichts dazugelernt?

Auch wenn man es mit Orgeln zu tun hat, bei denen unstreitig ist, dass es sich um erhaltenswerte Meisterwerke handelt, die eben der orgelbewegen Ästhetik folgen, auch wenn man sich gern auf die Schulter klopft, dass man alle Register vollzählig erhalten hat, kann man es sich offensichtlich vielerorts nicht verkneifen, im Rahmen einer Sanierung den Erbauern noch mal so richtig den Stinkefinger zu zeigen, indem man in eine stilreine 1960er-Orgel noch Aeoline, Vox coelestis, Sub- und Superkoppel reinpfriemelt - Dinge, von denen man weiß, dass die Erbauer davon das kalte Grausen bekommen hätten.


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