Vorhandene Orgel sanieren, restaurieren - oder Neubau?

Evacuant, Mittwoch, 26. März 2025, 21:10 (vor 532 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Evacuant, Mittwoch, 26. März 2025, 21:28

Es ibt ja auch stattgefundene Beispiele von Fortschreibungen, z. B. die großen Klais-Orgeln in Karlsruhe. Dann natürlich auch die Rieger-Arbeiten in Wien und Luxemburg (Kathedrale). Auch Hamburg-Nikolai wird zu nennen sein. Als riesiges Add-on wird man St. Gallen St. Laurenzen sehen müssen. Immerhin wurde die Bestandsorgel kaum verändert. War ja auch kein No-name-Ding.

Mit "Fortschreibungen", wo eine für den Raum schon ordentlich bis üppig disponierte Orgel nochmals um 30, 40, 50 sätzliche Register aufgeplustert wird, bescheinigen sich die Planer in meinen Augen ein mangelndes Verständnis für das vorgefundene Konzept.

Ich gebe zu, dass ich auch schon verschiedentlich Erweiterungen und Dispositionsänderungen befürwortet oder zumindest mitgetragen habe. Bei kleineren Orgeln aus den 1950ern bis 1970ern ist das oft ein Ringen mit grundlegenden Bedürfnissen. Mit einem zusätzlichen Streicher 8' im Schwellwerk würde halt die Chorbegleitung besser funktionieren, und was wird zur Chorbegleitung am wenigsten gebraucht? Richtig, die Scharfzimbel, also raus damit. Aber beim festlichen Nachspiel fehlt dann der Orgel doch etwas. Oben am Spieltisch vielleicht nicht, aber unten im Raum eben doch. (Vor 60 Jahren hat man in den Dorforgeln den letzten Streicher geopfert, um eine Scharfzimbel einbauen zu können und fand das ganz super. Sind wir heute wirklich schlauer?)


Woher kommt aber der unwiderstehliche Drang nach stilfremden Zubauten bei großzügig dimensionierten Instrumenten? Fast jede Orgel ab 20 Registern hat heute eine Vox coelestis 8' und eine Oboe 8' im Schwellwerk. Die hochromantische Walcker-Orgel in der Votivkirche in Wien hat bei 61 Registern weder eine Schwebung 8' noch eine Oboe 8' im Schwellwerk. Braucht sie eine Schwebung 8' und eine Oboe 8' im Schwellwerk? Nein, hat sie nie gebraucht und braucht sie auch in Zukunft nicht. Braucht eine Beckerath-Orgel von 1955 oder eine Steinmeyer-Orgel von 1961 mit 60 Registern eine Schwebung 8' und eine Oboe 8' im Schwellwerk? Erst recht nicht!


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