Bewertung Improvisation

Aeolinchen, Samstag, 20. April 2013, 08:22 (vor 4880 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher

Das setzt aber schon ein gewisses Maß an Kreativität und auch einen gewissen Mut voraus. Denn er würde ja dann nicht auf Grund von angelernten Kriterien, sondern ganz für sich allein entscheiden (müssen), was gut klingt und was nicht, was er für seine Musik gebrauchen kann und was nicht.

Ich kapiere den Unterschied nicht wirklich.
Jeder Musiker hat doch irgendwann mal irgendwelche Kriterien gelernt.
Jeder Musiker hat doch irgendwann gelernt, dass für jeden Stil eigene Kriterien gelten.
Jeder Musiker weiß, daß er seine eigenen Entscheidungen treffen muss, wenn er einen eigenen Stil haben will.

Wenn ich an eine fremde Orgel komme, muss ich ausprobieren, was gut klingt und was nicht. Weil ich mit Orgeln schon ziemlich viel Erfahrung habe, brauche ich dazu nur drei Stunden und keine drei Tage. (Drei Tage zum ausprobieren sind trotzdem besser als drei Stunden, auch wenn man noch so viel Erfahrung hat.)

... stundenlang Klänge, Intervalle, Akkorde in allen möglichen Lagen und Tonhöhen ausprobiert, bis mir irgendwas besonders gefiel - oder eben auch nicht. Ich habe mir das Instrument eben erforscht.

Ob das schon "Improvisation üben" ist oder erst, wenn man anfängt Sonatenhauptsätze und Fugen zusammen zu basteln, muss wohl jeder für sich definieren.

"Üben" ist das, was ich mache, wenn niemand zuhört.
Wenn da nur Sonatenhauptsätze und Fugen dazu zählen würden, dann hätte ich in meinem Leben noch nicht viel geübt.

Ist der Nerv dafür nicht da, kann man improvisieren üben, soviel man will. Dann wird es bestenfalls perfektes Handwerk, nicht jedoch Musik.

Im Prinzip ja.
Trotzdem Widerspruch: Ich habe schon viele Anfänger unterrichtet. Dass es nicht gelingt, den Nerv fürs Kreative, fürs Improvisieren zu wecken, kommt nur sehr selten vor. So selten wie das Gegenteil, ein Improvisationsgenie.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum