Bewertung Improvisation

Karl-Bernhardin Kropf, Freitag, 19. April 2013, 09:08 (vor 4880 Tagen) @ Contrebasson 32'

Fassen wir also zusammen: Improvisationen müssen, um gut zu sein, nicht akademische Analysen bestehen können. Es zählt der kreative Einfall, der beim Erdenken von mindestens einem Motiv beginnt und sich mit dessen Verarbeitung fortspinnt. Dabei muss das Gesamtpaket zur jeweiligen Situation passen.
Damit das gelingt muss man sein Handwerkzeug beherrschen, muss den Boden der Tradition kennen und beherrschen, auf dem man spielt. Dann kann man gerne auch freier, experimenteller sein, die Grenzen der Harmonik, Tonalität, Metrik usw. sprengen. Wenn es denn der Sache an sich dient.

Viele Grüße
Contrebasson 32'

Ich behaupte:
Wenn der unter Absatz richtig ist (und das glaube ich auch), ist der erste Satz widerlegt - eine solcherart gute Improvisation WIRD akademische Analysen bestehen. Weil dann groß darüber sich ausgebreitet wird, wie der Tonkünstler die Klischees und etablierten Schemata in ihren Grenzen erweitert/sprengt und dadurch Interessantes schafft. Doch stets fühlt man, er könnte auch anders, also "schulmeisterlich". Das trifft auf ganz viele Leute zu. Mozart und Bach müssen nicht stundenlang Improvisation üben. Sie müssen ein paar gute Stücke hören/lesen, und schon hat ihre Software die Regeln guter Musik abgeleitet und steht bereit zur Neuschöpfung.

FRIEDRICH, WIE RECHT DU HAST!
Wie oft bin ich beim Unterrichten fast umgekippt (ich stehe/gehe dabei lieber, als zu sitzen....) wenn der/die Studierende in irgendeiner geordneten Musik - Stilkopie oder nicht - die im 4/4-Takt läuft, auf einmal einen 5er oder 3er-Takt bringt. Und mich angesichts meines folgenden Zustands anguckt à la "War irgendwas?".
Dupré wusste, was wichtig ist, deshalb war er mitunter vielleicht mal langweilig, aber nie peinlich. Auch Seifen würde niemals aus der Periodik kippen es sei denn...:

Wenn Schubert ein 7-taktiges Thema entwickelt, ist das keine Panne, sondern genial!
Dazu muss man aber nicht den Komponistennamen wissen, nein, das fühlt man am Thema. Wenn XY ein 7-taktiges Thema serviert, dann geilt meist "War irgendwas?"
Seufz...


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