Bewertung Improvisation

Cor de Basset, Montag, 15. April 2013, 17:08 (vor 4885 Tagen) @ Orgellehrling
bearbeitet von Cor de Basset, Montag, 15. April 2013, 18:05

Hallo allerseits!

Am Samstag war ich im Freiburger Münster bei der "Orgelmusik zur Marktzeit". Christian Kohler improvisierte. Anschließend wurde ich von Bekannten gefragt, wie ich die Improvisationen fand.
Dabei hab ich mir einmal versucht genauer zu überlegen, welche Kriterien man eigentlich bei Improvisationen an um eine Bewertung abgeben zu können. Natürlich kann ich sagen "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht". Aber welche - vielleicht objektive - Kriterien gibt es eigentlich?
Zumal man ja meistens nicht die Möglichkeit hat das Stück öfters zu hören und dabei z.B. bei jedem mal hören neue und interessante Details zu entdecken...

Wie seht ihr das?

Grüße


Objektive Kriterien:
Harmonik, Satztechniken, musikalische Form, thematische und motivische Entwicklung, aktive Beteiligung der Mittelstimmen, Spannungsverlauf, Ausgewogenheit von Melodiebildung und harmonischen Fortschreitungen, flexibles Anpassen des Improvisators hinsichtlich Registrierung, Phrasierung, Artikulation und gewählter musikalischer Form und des Stils an die Raumakustik und Stilistik, Stimmung und Intonation des Instrumentes. Und nicht zuletzt: Die Improvisation auf den Punkt bringen und sie dann beenden, wenn musikalisch alles gesagt ist.


Hierzu einige weiterführende Aussagen von Improvisatoren, von denen es sicherlich noch viele andere Beispiele gibt:

Pierre Cochereau:
"Man improvisiert nie für sich selbst, sondern für die Zuhörer. Daher muss man eine klare musikalische Form wählen, die die Zuhörer erkennen können."
"Bleiben Sie nie länger als zehn Sekunden in derselben Tonart."
"Modulieren Sie!"
"Die linke Hand sollte nie starr im Bass verweilen, sondern vielmehr aktiv an der harmonischen und motivischen Entwicklung beteiligt sein."
"Improvisation ist die Kunst der Illusion (bzw. des Illusionisten)."

Gerre Hancock:
"When in doubt: Trill!"

Günther Kaunzinger:
"Improvisation ist Komponieren ohne Radiergummi."

Pierre Pincemaille:
"Der Komponist hat gegenüber dem Improvisator einen entscheidenden Vorteil: den Faktor ZEIT."
Deutscher Kommentar Pincemailles zu einem Kursteilnehmer, der während seiner Improvisation ins Zögern geriet: "Anhalten verboten!"

Peter Planyavsky:
"Wenn Du einen falschen Ton spielst, brich darüber nicht in Tränen aus, sondern wiederhole ihn mindestens ein- oder zweimal."


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