Bewertung Improvisation

Werni @, Donnerstag, 18. April 2013, 19:42 (vor 4881 Tagen) @ orgelquaeler

Zu meinem Lieblings-Improvisator F. Lehrndorfer möchte ich etwas anmerken:

Lehrndorfer mochte den Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern" offensichtlich sehr.
Eine Aufnahme aus dem Augsburger Dom - da war er ca. 45 - lässt einen vor Kraft strotzenden Musiker hören, der auf einer agressiv klingenden Orgel seiner Spielfreude freien Lauf ließ. Jahre später in Gerleve schon viel weicher, aber wuchtiger in der harmonischen Behandlung. In Köln St. Gereon 2001 eine Improvisation, die mit viel weniger auskam als früher - altersgereift. Also für mich schon eine musikalische Entwicklung, die sich allerdings hier schriftlich unzureichend beschreiben lässt. Oder die Improvisation über "Großer Gott, wir loben dich", die durch die geniale Simplizität des Nebenthemas besticht und in ihrer Gesamtheit in einer anderen Liga spielt als die Improvisationen über Kinderlieder.
Ausserdem denke ich, dass - vom musikalisch vorausgesetzem Handwerk mal abgesehen - es für jeden Improvisator gute und schlechte persönliche Stimmungen gibt. Manche Sachen von z. B. Cochereau sind - um es beim Namen zu nennen - banal, andere wiederum schlichtweg genial und die verdiente Vorstufe zur Komposition. Auch das Umfeld muss stimmen: Orgel ist brauchbar, die Akustik ist dem Improvisator geneigt, ebenso ist die Stimmung des Publikaums durchaus fühlbar und beeinflußt die Impro. Kurz gesagt - es gehören viele Dinge zusammen, die eine gute Improvisation erst möglich machen.

Gerhard Wernecke


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