Bewertung Improvisation

OrganisteTuttilaire, Freitag, 19. April 2013, 11:21 (vor 4880 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von OrganisteTuttilaire, Freitag, 19. April 2013, 11:28

Fassen wir also zusammen: Improvisationen müssen, um gut zu sein, nicht akademische Analysen bestehen können. Es zählt der kreative Einfall, der beim Erdenken von mindestens einem Motiv beginnt und sich mit dessen Verarbeitung fortspinnt. Dabei muss das Gesamtpaket zur jeweiligen Situation passen.
Damit das gelingt muss man sein Handwerkzeug beherrschen, muss den Boden der Tradition kennen und beherrschen, auf dem man spielt. Dann kann man gerne auch freier, experimenteller sein, die Grenzen der Harmonik, Tonalität, Metrik usw. sprengen. Wenn es denn der Sache an sich dient.


Ja! Ohne Handwerk ist alles nichts, aber Handwerk ist nicht alles. Echte Inspiration, Kreativität und Geschmack sind eben nicht jedem gegeben, denn das ist Begabungs- UND Einstellungssache, sicherlich auch Prägung durch Vorbilder und gute Lehrer. Wer innerlich nicht frei ist, wird meines Erachtens keine gute Musik schaffen können. Insbesondere keine mitreißende. Ohne eine herausragende Persönlichkeit des Musikers hat auch seine Musik keine. Dann fehlen die echte empathische Lyrik, der Biss und vieles mehr. Bernstein war eben ein anderer Musiker als irgendein Leiter eines Schulorchesters. Und das lag nicht nur an seinem Fleiß...

Es waren übrigens auch und gerade Laien und einfache Leute, die die Improvisationen von Marcel Dupré oder Pierre Cochereau toll fanden, egal wie "modern" das jeweilige Stück ausfiel. Weil sie das Musikantische und die Seele spürten und gleichzeitig die Stücke ihre gute Ordnung, ihren sauberen Aufbau hatten und daher immer auch vom Laien nachvollzogen, ja "nachgespürt" werden konnten.


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