Hochzeitsorganist

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 03. Juli 2014, 00:07 (vor 4504 Tagen) @ Solcena
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Donnerstag, 03. Juli 2014, 00:12

Wobei bei seinem Angebot ein Kennen-lern-Treffen vorgesehen ist,

Ja

er die Darbietung auch von Stücken außerhalb des Repertoires anbietet

Nein! In seiner Honorartabelle: "Werden aus meinem Repertoire gewählt"

Fahrtkosten entstehen,

Werden separat vergütet

mit evt. Transport eines E-Pianos

Kostet auch 40 EUR extra

Die Abrechnung der Zusatzleistungen und die transparente Darstellung auf seiner Homepage finde ich ok, aber bei dem Honorar an sich möchte ich (ebenfalls C-Organist) nicht wirklich von einem Schnäppchen sprechen...

Lg


....nicht?

Ich begleitete vor gut 20 Jahren gelegentlich einen Hochzeits-Heldentenor (ich berichtete hier schon mal über ihn). Netter Kerl, kam immer mit gewaltiger Parfümwolke und sah in seinem Lederjackett ein bißchen wie ein entlaufener Mitropa-Schlafwagenkellner aus. Aber, wie gesagt: nett. Irgendwann hatte er aus der DDR "rübergemacht" und arbeitete im Westen als Musiklehrer.

Sein "Repertoire": "Ich bete an die Macht der Liebe" und das Bach-Gounod-"Ave Maria", das auf den hiesigen historischen Instrumenten mit bisweilen mitteltöniger Stimmung und begrenztem Tastaturumfang dem Organisten wie auch dem Gehör einiges an Anpassungsvermögen abverlangt. Das galt im übrigen auch für seinen "Gesang": Zeitlupentempo, als ob er die Noten mit einem Nudelholz ausgewalzt hätte. Dafür sehr pathetisch. "I-hiiiiiiich beeeeeee-teeee aaaa-haaaaaaaaaan...."... Als ich ihn das erste mal begleitete, sprintete ich prompt drei Takte vor und mußte dann wieder "zurückimprovisieren". Man lernt viel bei solchen Events.......

Er bekam, zu DM-Zeiten, 400 DM für einen solchen Auftritt mit seinem "Gesamtrepertoire", also ziemlich genau 200 €. Drei Hochzeiten pro Samstag, manchmal vielleicht auch vier, das an vier Samstagen im Monat: man kann sich ausrechnen, daß er gut wegkam.

Verglichen damit finde ich die Besoldungsvorstellungen des "Hochzeitsorganisten" durchaus ziemlich schnäppchenverdächtig - einmal gemessen an dem, was sonst auf Hochzeiten so ausgegeben wird (z.B. für schauderhafte Tanzkapellen oder Alleinunterhalter....), zum zweiten an seinem Repertoire und zum dritten daran, daß inzwischen zwanzig Jahre vergangen sind....

denkt:
Wolfgang...

PS: ich gönne ihm noch heute seine Honorare. Er nahm, was er kriegen konnte, was für einen kommerziell tätigen Musiker ok ist. Und langweilig war es mit ihm auch nicht....


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