Ehrlich - Hechenberger - Weise - Meier - Becker - Hiendl

MCVL @, Freitag, 30. Januar 2026, 22:18 (vor 219 Tagen) @ ThoFi
bearbeitet von MCVL, Freitag, 30. Januar 2026, 22:49

Dorfbach... interessant.
Josef Meier übernahm anscheinend 1920 die Werkstatt Hechenberger, aber nur 5 Jahre, dann lt. Fischer "100 Jahre BDO" wsl. hier Becker & Hiendl. Julius Becker (Intonateur) verstarb aber offensichtlich bereits 1935. Dann kam als Intonateur Ludwig Eisenbarth von Steinmeyer... aber wann?. Eisenbarth hat ja 1945 seinen eigenen Betrieb gegründet und die Hiendls haben sich ganz auf den Möbelbau/-handel verlegt (Ottfried Fischer:"I sog nur,,,").
Der berühmt-berüchtigte Friedrich Meier geb.1913, ausgebildet bei Weise in Plattling, dann selbständig ebendort, dürfte ein Sohn von Josef Meier gewesen sein (St. Jakob, Straubing und v.a. die Striedl-Orgeln in Triftern und Malgersdorf).
Thomas


So ähnlich habe ich mir das bislang auch vorgestellt, aber mittlerweile bin ich im Zuge meiner Forschungen zu Ignaz Weise zu neuen Ergebnissen gelangt, die ich als Material und Bausteine einmal zusammenfassen möchte.

Fest steht sicher, daß Martin Hechenberger zunächst als Werkmeister die im Besitz der Witwe Ehrlich befindliche Werkstatt weitergeführt und die von Adam Ehrlich begonnenen Orgeln fertiggestellt hat. Es waren dies die beiden Orgeln für

- Sonnen
- Passau, St. Paul

Die ersten Werke, welche Hechenberger als selbständiger Orgelbauer errichtete, waren:

- 1862 Rudelzhausen in der Hallertau
- 1862 Traunstein, Kapuzinerkloster

Die Orgeln wurden bislang fälschlicherweise Johann Ehrlich/Landshut (Rudelzhausen) und Adam Ehrlich (Traunstein) zugeschrieben. Es besteht hier die Möglichkeit, dass die Kostenvoranschläge noch von Adam Ehrlich stammten.
Die bislang auf 1862 datierte Orgel für Triftern entstand wesentlich später.

Die letzten Neubauten der Firma Hechenberger waren Opus 297 für Schalding und Opus 298 für Rotthalmünster.
Im Laufe des Jahres 1918 gab Maximilian Hechenberger die Werkstätte auf, vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen.

Es scheint tatsächlich so gewesen zu sein, daß Josef Meier die kurzzeitig verwaiste Werkstatt dann um 1920 weitergeführt hat. Sein (mir) bislang letzter bekannter Arbeitsnachweis stammt von 1924, Ried im Innkreis (OÖ) unter Verwendung des Pfeifenwerks von Martin Hechenberger 1864.

Ignaz Weises Geschäftsräume für seine Orgelbauanstalt und Musikinstrumentenhandel befanden sich vor der Übersiedlung nach Plattling in der Messergasse. Was mit den Räumlichkeiten nach dem Umzug nach Plattling geschah, muss vorerst offen bleiben.

Nach der Firmenübernahme durch den Adoptivsohn Michael ging Ignaz Weise wieder nach Passau zurück.
Jetzt wird es interessant: Ignaz Weise betrieb zumindest ab 1919 bis etwa Ende 1920 von Passau aus einen Reparaturbetrieb, es liegen aus dieser Zeit u.a. Arbeitsnachweise für Wartungen aus Dornach, Kirn und Taubenbach vor. Es existierte auch Geschäftspaier mit dem Titel "Ignaz Weise senior - Passau".

Ab 1921 sind dann die ersten Arbeiten von Julius Becker nachweisbar, an Ignaz-Weise-Orgeln wie Bayerbach oder Mariakirchen. Becker verwendete eigenes Briefpapier mit der Anschrift "Große Messergasse" in Passau. Hat Becker also die ursprünglichen Weise-Räumlichkeiten übernommen? Hat Becker ab 1921 die Wartung der bislang noch von Ignaz Weise betreuten Orgeln anvertraut bekommen?

Was war der Grund, dass Ignaz Weise als Mittfünfziger überraschend die Werkstatt in Plattling an seinen Adoptivsohn Michael Weise übergeben hat und zurück nach Passau gegangen ist? Es ist bislang auch überhaupt kein Hinweis zu finden, dass Ignaz Weise sich für den Betrieb in Plattling noch interessiert hätte oder dort in irgendwelche Projekte miteinbezogen wurde. Sind die beiden überhaupt reibungslos auseinander gegangen? Fand die Adoption und die Firmenübernahme aus freien Stücken statt oder waren finanzielle Schwierigkeiten und die Beibehaltung des Namens Weise der Grund?

Um 1925 ist dann Hiendl als Geschäftspartner bei Julius Becker eingetreten, bis mindestens 1928 ist weiter die "Große Messergasse" als Firmensitz angegeben.
Siedelten Becker & Hiendl in der Folgezeit in die vormalige Hechenberger-Meier-Werkstatt um? Die Gebäude wurden von Maximilian Hechenberger um 1910 herum völlig neu errichtet.

Das mal ein paar Dinge zum Nachdenken und als Grundlage für weitere Forschung.

--
__________
Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)


gesamter Thread:

 

powered by my little forum