Auf den Spuren der frühen Weise-Orgeln - Teil IIa

MCVL @, Donnerstag, 03. Juli 2025, 20:56 (vor 431 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Donnerstag, 03. Juli 2025, 23:57

Liebe Weise-Freunde,

weiter geht es auf den Spuren der frühen Weise-Orgeln für Niederbayern. Anders als erhofft, war es heute wieder ein heißer und langer, aber auch an Ergebnissen reicher Tag.

Zunächst habe ich noch die Findbücher der Regierung für Niederbayern hinsichtlich den in den Bistumshandbüchern Passau anonym aufgeführten und evtl. Weise zuzuschreibenden Orgeln durchgesehen und habe zu folgenden Orten Akten dazu aufgefunden, die ich dann bei meinem nächsten Besuch in Landshut zu durcharbeiten beginnen werde:

Aufhausen bei Landau 1898
Aunkirchen 1905
Buchhofen 1909
Dorfbach 1921
Eppenschlag 1892
Finsterau 1912
Galgweis 1905
Garham 1901
Haus im Wald 1890
Herzogsreut 1892
Julbach 1899
Kellberg 1939
Kreuzberg 1922
Kumreut 1908
Lalling 1910
Ludwigsthal 1896
Neßlbach 1923
Sandbach 1895
Schönbrunn am Lusen 1931
Spiegelau 1917
Triftern 1928
Unterdietfurt 1910
Walburgskirchen 1894

Keine Akten konnte ich auffinden zu:

Arbing 1919
Engertsham 1895
Kellberg 1939
Tiefenbach 1932

Zu diesen Orten werde ich aber noch in den Findbüchern der Bezirksämter nachsehen, ob sich dort nicht doch noch Aktenmaterial findet.

Wenn sich nur ein, zwei, drei Weise-Orgeln darunter finden, hat sich die Angelegenheit meiner Meinung nach schon gelohnt. Aber ich gehe davon aus, daß sich darunter auch viel bislang nicht identifiziertes von Hechenberger, Hiendl, Edenhofer usw usw. befindet.

Heute habe ich auch Nachricht vom Pfarrtamt Mietraching bekommen, die Angelegenheit scheint interessanter zu sein, als vermutet... Dazu an anderer Stelle mehr.

Nun aber die erste Hälfte der Ergebnisse, die ich heute aus den Regierungsakten heraus ermitteln konnte. Die zweite Hälfte reiche ich morgen als Teil IIb nach.


Adldorf

Zu dem angeblich 1915 ausgeführten Orgelneubau konnte ich in den Akten der Regierung von Niederbayern kein Schriftgut ermitteln.


Anzenkirchen

Hier haben wir es tatsächlich einmal mit einer falschen Zuschreibung zu tun, die sich jahrzehntelang durch die Literatur zieht und es auch in die Orgeldatenbank Bayern geschafft hat.

Die Orgel wurde für 3000 Mk. von der "Orgelfabrik Ludwig Edenhofer" aus Deggendorf erbaut. Genehmigung durch die Regierung von Niederbayern am 20. Dezember 1905. Die Orgel war im Mai 1906 fertiggesellt. Ludwig Edenhofer richtete am 15. Juni 1906 folgendes Schreiben an die Regierung in Landshut:

Am 22. Mai lf. J. stellte ich in der Expositurkirche Anzenkirchen kgl. Bezirksamts Pfarrkirchen eine neue Orgel fertig, wo an dem Nachmittage gleichen Tages durch Herrn kgl. Seminarlehrer H. Bill von Pfarrkirchen fragl. Instrument geprüft, und ganz dem Vertrage entsprechend befunden wurde.
Da ich zu sehr billigen Preise liefern mußte, veranlaßt durch Beiziehung der Concurrenz, erlaube ich mir an eine hohe kgl. Regierung von Niederbaiern die ergebene Bitte zu stellen, zur Auszahlung meines restierenden Guthabens im Betrage von M 1500 an gnädigster Stelle Genehmigung hierzu erteilen zu wollen.

Die Regierung wies die Kirchenverwaltung am 20. Juni an, die restliche Bausumme an Edenhofer auszubezahlen: Zur Beseitigung der nach dem Berichte des Orgelrevidenten Hans Bill von Pfarrkirchen vom 24. V. l. J. bestehenden, in dem beschränkten Chorraum begründeten Mängel ist die Kirchenverwaltung Anzenkirchen zu veranlassen, alsbald die entsprechenden Schutzvorrichtungen für das Gebläse u. die Baßpfeifen nach dem Gutachten eines Sachverständigen anzubringen.


Bayerbach

Kostenvoranschlag Weise zum Orgelneubau vom 15. November 1917. Wegen den Kriegsereignissen verzögert sich das Projekt zunächst. Das Bezirksamt Griesbach sendet am 22. Oktober 1918 die Unterlagen zum geplanten Neubau an die Regierung von Niederbayern ein. Deren Referat IVa verlangt eine Skizze für das Orgelgehäuse von Weise, welche aber schon seit Mai 1918 vorlag, wie das Bezirksamt am 6. November nach Landshut antwortet. Genehmigung des Orgelbaus am 22. Januar 1919 nach der Disposition und Kostenberechnung von Weise.


Berg bei Ruhstorf

Für eine neue Orgel berechnet Ignaz Weise 2500 Mk. Die Akten über den geplanten Neubau werden am 19. Mai 1905 vom Bezirksamt Griesbach an die Regierung von Niederbayern übersendet. Genehmigung des Orgelneubaus nach den Plänen und Preisen von Weise am 26. Juli 1905. Über die Fertigstellung der Orgel wird in den Akten nichts mitgeteilt.


Denkhof

In Denkhof wurde 1912 eine nahezu neue Kirche errichtet, die Kirchenverwaltung befindet sich dadurch in einer angespannten finanziellen Situation und das Bischöfliche Ordinariat Passau regt an, die Orgelanschaffung vorerst noch zu unterlassen.
Nichtsdestotrotz fasst die Kirchenverwaltung am 25. Mai 1913 den Beschluß, die Orgel durch Weise erbauen zu lassen. Die Regierung in Landshut genehmigt den Orgelneubau am 4. Juli 1913. Am 4. Dezember 1913 kann das Bezirksamt Passau das Abnahmegutachten an die Regierung einsenden.


Dornach

Zu diesem angeblich 1915 durchgeführten Orgelbau sind in den Regierungsakten keine Unterlagen auffindbar.


Kirchberg bei Birnbach

Die Akten zum geplanten Orgelneubau schickt das Bezirksamt Griesbach am 22. September 1902 zusammen mit der niederkuratelbehördlichen Genehmigung an die Regierung nach Landshut. Fachlich stimmen die zuständigen Referate in Landshut dem Projekt ohne Änderungen zu, allerdings muß die Kirchenverwaltung einen Schuldentilgungsplan hinsichtlich der Finanzierung der neuen Orgel vorlegen. Nachdem die Art und Weise der Finanzierung der Orgel geklärt ist, genehmigt die Regierung von Niederbayern den Neubau am 26. November 1902.
Das Abnahmegutachten von Benefiziat Peter Griesbacher/Osterhofen stammt vom 19. Dezember 1902, wird aber erst am 4. März 1903 nach Landshut eingesendet.


Kirchdorf am Inn

Genehmigung des Orgelneubaus durch die Regierung von Niederbayern am 27. November 1913 nach Maßgabe des vorgelegten Planes u. Kostenvoranschlages. Zur Finanzierung soll im Pfarrsprengel Kirchdorf eine Hauskollekte durchgeführt werden. Die Orgel dürfte 1914 fertiggestellt worden sein.


Kirn

Den Beschluß zum Orgelneubau fasst die Kirchenverwaltung Kirn am 9. Juni 1912. Von der Orgelbauanstalt Weise werden die Kosten dazu auf 3950 Mk. berechnet. Die Unterlagen zum Orgelneubau werden vom Bezirksamt Pfarrkirchen am 13. Juni 1912 der Regierung von Niederbayern vorgelegt. Da in Kirn ein historisches Orgelgehäuse vorhanden ist, wird dem "Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer" in München eine Fotografie der bestehenden Situation vorgelegt. Diese Behörde berichtet am 3. Juli 1912 nach Landshut: Nach Ausweis der beim Akt liegenden Photographie der alten Orgel läßt sich sagen, da0 die Beibehaltung des alten Gehäuses bezw. die Wiederverwendung und Adaptierung des alten Gehäuses erwünscht wäre.
Genehmigung des Orgelneubaus durch die Regierung in Landshut am 16. August 1912. Nach Fertigstellung der Orgel im Herbst 1912 wird festgestellt, daß das vorhandene Gehäuse trotz der Entschließung der Regierung nicht beibehalten wurde. Die Kirchenverwaltung Kirn wird daraufhin ernstlich gerügt.


Obersüßbach

Kostenberechnung von Weise für eine Transmissionsorgel vom 25. Februar 1914. Der Orgelneubau wird am 14. April 1914 durch die Regierung von Niederbayern genehmigt. Am 3. September 1914 kann das Bezirksamt Mainburg das sehr günstig lautende Abnahmegutachten über die fertiggestellte Orgel in Landshut vorlegen.


Osterwaal

In den Akten der Regierung von Niederbayern konnte ich keinen Schriftverkehr zu diesem Orgelbau auffinden, allerdings geht aus den Akten hervor, daß im Jahr 1913 eine umfassende Kirchenrenovierung mit Anschaffung neuer Altäre etc. stattgefunden hat und daher kann die Orgel auch aller Wahrscheinlichkeit nach auf 1913 datiert werden.


Postmünster

Beschluß zum Orgelneubau für 4400 Mk. und Auftragsvergabe an Weise wird von der Kirchenverwaltung Postmünster am 24. Februar 1907 gefasst. Das Konvolut mit Aktenstücken und Plänen zum Orgelbau in der Pfarrkirche Postmünster sendet das Bezirksamt Pfarrkirchen am 16. April 1907 an die Regierung von Niederbayern. Der Prospektentwurf wird vom Referat IVa anstandslos akzeptiert und für das ganze Orgelbauvorhaben wird von der Regierung von am 15. August 1907 die Genehmigung erteilt. Das Ende des Jahres 1907 von Orgelrevident Peter Griesbacher abgefasste Abnahmegutachten wird vom Bezirksamt Pfarrkirchen am 17. Januar 1908 der Regierung übersendet. Diese genehmigt die Auszahlung der noch ausstehenden Summe an Weise am 15. Februar 1908.


Schönburg bei Pocking

Den Beschluß zum Orgelneubau fasst die Kirchenverwaltung Schönburg am 26. September bzw. 28. Oktober 1906. Grundlage dafür bildet die Disposition und Kostenberechnung der Firma Weise über 4800 Mk. Erst am 29. Januar 1907 legt das Bezirksamt Griesbach die Akten zum Orgelneubau nebst einem wohlwollenden Begleitschreiben und Niederkuratelgenehmigung der Regierung von Niederbayern vor. Der Neubau wird von der Regierung von Niederbayern nach erfolgter Rücksprache mit dem Bischöflichen Ordinariat Passaum am 17. März 1907 genehmigt. Der Befundsbericht von Orgelrevident Peter Griesbacher stammt vom 3. Mai 1907 und wird am 6. Mai der Regierung vorgelegt.


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