Auf den Spuren der frühen Weise-Orgeln - Teil Ib

MCVL @, Mittwoch, 25. Juni 2025, 20:48 (vor 439 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Donnerstag, 26. Juni 2025, 10:21

Frichlkofen

Kostenvoranschlag zum Orgelneubau durch Weise vom Frühjahr 1917; angeschlagen sind 2300 Mk. Die Kirchenverwaltung Frichlkofen fasst den Beschluß zum Neubau und zur Auftragsvergabe an Weise am 6. Mai, nachdem sich Revident Peter Griesbacher wohlwollend über das Projekt geäußert hatte. Genehmigung durch die Regierung in Landshut am 3. August 1917, die Orgel ist gegen Ende des Jahres 1917 fertiggestellt.

Kirchberg bei Eggenfelden

bislang Zuschreibung an Ignaz Weise mit Baujahr 1890

Fehlzuschreibung, Neubau durch die Orgelbauanstalt F.B.Maerz für 1600 Mk. am 20. Februar 1897 durch die Regierung in Landshut genehmigt (bestätigt auch durch die Angaben in der Maerz-Monographie von Hammermayer).

Loh bei Stephansposching

In den Regierungsakten konnten keine Unterlagen über die angeblich um 1925 erbaute Orgel aufgefunden werden.

Mariakirchen

Kostenvoranschlag zum Neubau von der "Orgelbauanstalt Ignaz Weise - Plattling" vom 14. Oktober 1904 mit Nachtrag vom März 1905. Kosten 4200 Mk unter Verwendung des vorhandenen Gehäuses.
Genehmigung des Orgelneubaus durch die Regierung in Landshut am 28. Mai 1905. Fertigstellung der Orgel im Dezember 1905; am 27. Dezember sendet das Bezirksamt Eggenfelden den "Befundsbericht" an die Regierung.

Mietraching

Die Orgel wird von Reinhard Weise ohne Baujahr auf dem von ihm zusammengestellten Werkverzeichnis aufgeführt. Sie ist erhalten und war hier schon einmal Thema. Die Kirche wurde 1926 erbaut und somit kann die Orgel auch frühestens in diesem Jahr erbaut worden sein. Durch das späte Baujahr der Kirche und andere Umstände bin ich mittlerweile dazu geneigt, die Orgel tatsächlich Weise zuzuschreiben, ich werde mich aber noch an das Pfarramt wenden.

In den Regierungsakten konnte ich kein Schriftgut zu diesem Orgelbau ermitteln.

Neurandsberg

bislang Zuschreibung an Ignaz Weise mit Baujahr 1900

Die Zuschreibung an Weise hat sich als falsch erwiesen. Die Kirchenverwaltung fasste am 1. Juni 1902 den Beschluß zum Orgelneubau und die Auftragserteilung an die Firma Adam Ehrlich aus Straubing für 2396 Mk.
Ende 1903 war die Orgel noch nicht geliefert. Ehrlich gab an, die Orgel aufgrund von "Geschäftsschwierigkeiten" nicht fertigstellen zu können. Daraufhin wurde das Instrument durch Hechenberger/Passau vollendet und im Juni 1904 konnte das Bezirksamt Bogen die Fertigstellung der Orgel an die Regierung nach Landshut melden.

Obertrennbach

Kostenvoranschlag Weise vom 6. September 1909, Orgelneubau mit neugotischem Gehäuse für 2500 Mk. Die Regierung in Landshut genehmigt das Projekt am 12. Januar 1910. Am 22. Juli 1910 Abnahmeprüfung der fertiggestellten Orgel durch Revident Peter Griesbacher/Osterhofen.

Oberviehbach

Der Kostenvoranschlag von Weise zum Bau einer Transmissionsorgel stammt vom 25. Oktober 1913. Nachdem die Kirchenverwaltung den Auftrag an Weise vergeben hat, sendet das Bezirksamt Dingolfing die Akten am 28. Februar 1914 an die Regierung in Landshut. Genehmigung des Orgelneubaus durch die Regierung am 9. April 1914. Nach Fertigstellung der Orgel und erfolgter Abnahmeprüfung kann das Bezirksamt Dingolfing den "Befundsbericht" am 22. Januar 1915 nach Landshut einsenden.

Rettenbach bei Deggendorf

Zu diesem angeblich 1915 durchgeführten Orgelneubau konnte ich in den Regierungsakten keinen Schriftverkehr auffinden.

Schwarzach bei Bogen

Eingangs des Jahres 1910 legt Weise einen Kostenvoranschlag zum Neubau einer Transmissionsorgel im vorhandenen Gehäuse über 4600 Mk vor, die bis 1. Juni 1910 fertiggestellt werden soll. Das Bezirksamt Bogen berichtet am 15. Februar an die Regierung in Landshut folgendes über das Projekt: Die Disposition des Werkes ist die gleiche wie die der neuen Orgel zu Stallwang. Wenn diese auch von den Sachverständigen gelobt wird, so möchte doch das Bedenken nicht unterdrückt werden, daß diese Disposition infolge Überwiegens der streichenden Stimmen und bei den vorgesehenen Oktavkoppeln (auch wieder die Pedaloktavkoppel!) zu greller Wirkung neigt; eine 8'-Flöte für die Manuale wäre zum Ausgleich zu wünschen..
Die Regierung leitet die Akten an Präparandenlehrer Salisko in Landshut weiter, dieser äußert sich am 28. Juni dazu und empfiehlt dringend die Erweiterung der Disposition durch die Flöte 8':die Preise der Orgel sind so reichlich bemessen, daß die Flöte 8' ohne Preisänderung gemacht werden kann. Daraufhin genehmigt die Regierung in Landshut den Orgelneubau am 6. Juli 1910.
Derweil war die Orgel aber schon in Schwarzach montiert und fertiggestellt und am 30. Juli 1910 durch Joseph Renner/Regensburg der Abnahmeprüfung unterzogen werden, wie das Bezirksamt Bogen nachträglich am 27. September nach Landshut berichtete. Die Orgel besaß folgende Disposition:

I. & II. Manual
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Quintatön 8'
4) Gamba 8'
5) Salicional 8'
6) Aeoline 8'
Vox coelestis 8' (Sammelzug)
Oboe 8' (Sammelzug)
Clarinette 8' (Sammelzug)
7) Traversflöte 4'
8) Mixtur 2 2/3' (nur auf I. spielbar)

Pedal
9) Subbaß 16'
10) Violon 8'

II-I
I-P
II-P
Super I
Super II-I
Super Pedal

Simbach bei Landau

Leider fand sich in den Regierungsakten kein Hinweis auf den angeblich 1919 durchgeführten Orgelneubau.

Thurmannsbang

Kostenvoranschlag Weise zum Orgelneubau über 3800 Mk. Am 15. Januar 1905 fasst die Kirchenverwaltung den Beschluß zur Auftragsvergabe an Weise. Die Regierung in Landshut verlangt zunächst, den Orgelbau solange zurückzustellen, bis die Kirchengemeinde eine Schuld über 10 706 Mk. zurückbezahlt hat. Am 17. Juni 1905 genehmigt die Regierung den Neubau nach längeren Verhandlungen nun doch. Fertigstellung Dezember 1905; das Bezirksamt Grafenau sendet den "Befundsbericht" am 15. Dezember an die Regierung. Mit Erlaß der Regierung vom 24. Dezember 1905 kann die Kirchenverwaltung die Restsumme an Weise auszahlen und weist darauf hin, daß die im Abnahmegutachten aufgeführten "geringfügigen" Mängel "gelegentlich" behoben werden.


Nun noch Auszüge aus einem interessanten Akt des Bezirksamts Griesbach, der sich mit der Prüfung von Orgeln beschäftigt und aus dem wir einiges darüber erfahren, welche Erfahrungen man vor Ort mit den Erzeugnissen der Firma Weise gemacht hatte.

Kirchberg bei Bad Birnbach 1902

Bericht des Volksschullehrers von Kirchberg über die Weise-Orgel vom 3. Juni 1910:

Bericht über den Zustand
der von I. Weise in Passau (nun in Plattling) im Jahre 1902 in der Pfarrkirche zu Kirchberg neuaufgestellten Orgel.
I. Das Werk umfaßt 7 klingende Register und 3 Koppelzüge. Sämtliche klingenden Register sind vorzüglich intoniert und sprechen bei leichtester Spielart präzise an.
II. Das Holzpfeifenwerk verursacht keinerlei Rasselgeräusch, ein Zeichen, daß das zur Fabrikation der Holzpfeifen verwendete Material vorzüglich ist.
III. Das Zinnpfeifenwerk ist völlig intakt, das Pfeifenzinn rein.
IV. Das Pedal ist gefedert und hat leichte geräuschlose Spielart.
V. Das Gebläse (Magazinbalg) ist solide gearbeitet, in das Gehäuse einmontiert und liefert auch dem Pleno überreichen Wind.
VI. Das ganze Werk ist mit Pneumatik ausgestattet und von vortrefflicher Güte.

Schreiben des Pfarramts Kirchberg an das Bezirksamt Griesbach vom 4. Juni 1910:

Revision der Orgeln betr.
In rubr. Betr. wird berichtet, daß hiesige von Hrn. Ignaz Weise 1902 aufgestellte Orgel heuer zum erstenmal einer kleineren Reparatur unterworfen werden mußte. Es mußte bei einigen Pfeifen die Belederung erneuert werden, da sie durch Mäuse (nach Angabe des die Reparatur besorgenden Gesellen) beschädigt waren & eine Pfeife, welche nicht mehr luftdicht war, mußte genagelt werden. Dabei stellte sich auch die Notwendigkeit heraus, daß die Orgel vom Staube gründlich gereinigt & vollständig durchgestimmt werden muß. Auch müssen die Pfeifen von Seite der bis jetzt offenen Rückseite durch Anbringung eines Draht- oder Lattengitters vor unbefugtem Eingriff geschützt werden.
K. Kirchenverwaltung Kirchberg


Berg bei Ruhstorf 1906

Bericht des Organisten Georg Sterr vom 24. Mai 1910:

Der Unterfertigte kann bestätigen, daß die in der Pfarrkirche zu Berg im Jahre 1906 aufgestellte Orgel sich im allgemeinen gut bewährt hat. Nur gegen Feuchtigkeit ist sie sehr empfindlich. Die Kirche ist sehr trocken; aber bei starker Überfüllung an hohen Festtagen üben die aufsteigenden Dunstmassen häufig eine störende Wirkung auf die Orgel aus. Gewöhnlich versagen dan die Koppelungen. Gegenwärtig äußert sich dieser Mißstand in sehr lästiger Weise um so mehr, als auch einige Tasten des Obermanuals nicht ansprechen.


Aigen am Inn 1909

Bericht des Organisten Joseph Reichenwallner vom 28. Mai 1910:

Die von Herrn Orgelbaumeister Ignaz Weise in Plattling in der Pfarrkirche Aigen a./Inn aufgestellte Orgel entspricht in Bau, Mechanik und Ton den gutachtlichen Ausführungen des Herrn Orgelrevidenten. Es wurde aber die Erfahrung gemacht, daß sie gegen Witterungseinflüsse sehr empfindlich ist.

Schreiben des Pfarramts Aigen an das Bezirksamt Griesbach vom 28. Mai 1910:

An das K. Bezirksamt Griesbach
mit einer gutachtlichen Aeußerung des Organisten in der Anlage unter Bestätigung seiner Angaben.
Insbesondere sei konstatiert, daß die Witterungseinflüsse trotz fleißiger Lüftung zumal nach dem Sonntagsgottesdienste sich bedeutend bemerkbar machten. Die vorhandenen Mängel sind erst in letzter Zeit durch den Orgelbaumeister Weise behoben worden.


So, das soll es für heute von meiner Seite aus gewesen sein, ich hoffe, damit niemanden allzusehr gelangweilt zu haben.
Die nächsten Tage bringe ich dann etwas über den "Fall Otzing" und kommende Woche gibt es dann nach meinem nächsten Besuch in Landshut wieder neue Dinge über die frühen Weise-Orgeln.


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