Auf den Spuren der frühen Weise-Orgeln - Teil IIb

MCVL @, Freitag, 04. Juli 2025, 16:06 (vor 430 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Samstag, 05. Juli 2025, 00:34

Ettling

Leider waren zu diesem angeblich 1910 ausgeführten Orgelneubau keine Akten in den Beständen der Regierung von Niederbayern aufzufinden. Das Baujahr geht aus den Statistiken/Handbüchern des Bistums Passau hervor. Da diese Angaben mittlerweile als absolut zuverlässig angesehen werden müssen, darf 1910 als Baujahr als gesichert angenommen werden.


Gerabach

Der Orgelneubau führte zu Diskussionen hinsichtlich der Aufstellung. Es war vorgesehen, die Orgel teilweise in den Dachboden hineinragen zu lassen, was aber vom Generalkonservatorium in München zunächst abgelehnt wurde, da hierdurch die wertvolle Kassettendecke teilweise zerstört werden musste. Über diese Angelegenheit und das Aussehen der Vorgängerorgel schrieb das Generalkonservatorium: Die Orgel hat ein ganz schmuckes Gehäuse u. wird Ende des 18. Jahrhunderts in die Orgelemporenbrüstung eingefügt worden sein. [...] So gut die alten Orgelbauer eine kleine Orgel machen konnten, wird es wohl auch einem zeitgenössischen Orgelbaumeister mit den modernen Mitteln gelingen, ein der Größe der Kirche entsprechendes Orgelwerk zum Stande zu bringen. Jedenfalls einigte man sich schlußendlich darauf, die Orgel möglichst tief in die Südwestecke der Empore zu stellen, damit an der wertvollen Decke nur möglichst geringe Eingriffe nötig werden.
Nachdem die Aufstellungsfrage geklärt war, sandte das Bezirksamt Mallersdorf die Akten über den geplanten Neubau am 25. Februar 1911 an die Regierung nach Landshut, welche den Neubau umgehend genehmigte. Allerdings teilte die Firma Weise im Oktober 1911 mit, daß sie wegen Arbeitsüberhäufung nicht im Stande sei, die Orgel vor Februar 1912 zu liefern. Erst im März 1912 begann man dann tatsächlich mit Aufstellung der Orgel in Gerabach. Das Abnahmegutachten konnte das Bezirksamt Mallersdorf am 22. Mai 1912 an die Regierung übersenden.

(Das Alter des Brüstungsgehäuses wurde vom Generalkonservatorium übrigens falsch eingeschätzt. Es stammte von einer Ehrlich-Orgel aus dem Jahr 1853 und besaß einen einfachen Rundbogenprospekt, abgebildet in: Brenninger, Georg, Zur Orgelgeschichte des ehemaligen Landkreises Mallersdorf, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung Jg. 103/2001, S. 330 - Meiner Einschätzung nach verhält es sich nach einem Vergleich dieser Fotografie und einem Foto auf Wikipedia so, daß Weise den Brüstungsprospekt für seine Orgel in umgeänderter Form nunmehr auf der Empore stehend wieder verwendet hat, allerdings wurde das Mittelfeld mit den überhöhten Außenfeldern nunmehr in einen durchgehenden geraden Abschluß gebracht)


Grafenwiesen

Reinhard Weise listet einen Orgelneubau auf seinem Werkverzeichnis ohne Baujahr auf. Die Kirche wurde 1924 fertiggestellt. Weder in den Orgelmeldebogen von 1944 im Bistumsarchiv Regensburg noch in den Regierungsakten im Staatsarchiv Landshut konnte ich dazu irgendwelche Angaben finden. Daher sind nähere Angaben zu diesem Instrument nicht möglich. Womöglich wurde es aber auch erst in den Jahren nach dem II. Weltkrieg erbaut.


Kammern

Zu dieser angeblich 1916 erbauten Orgel konnte ich in den Akten der Regierung von Niederbayern keinerlei Schriftverkehr auffinden. Die Datierung scheint aber nach den Statistiken/Handbüchern des Bistums Passau zuverlässig zu sein.


Kröhstorf

Für den Neubau einer kleinen Orgel in die Nebenkirche Kröhstorf arbeitet die Orgelbau-Anstalt Ignaz Weise aus Passau am 1. Juni 1901 Planskizze, Disposition und Kostenberechnung aus. Die Gesamtkosten betragen 1600 Mk., 50 Mk. sollen bis Ablauf der Garantiezeit von der Kirchenverwaltung einbehalten werden. Die Kirchenverwaltung beschließt den Neubau am 7. Juni 1901. Einsendung der Orgelbauakten an die Regierung von Niederbayern und Niederkuratelgenehmigung durch das Bezirksamt Landau am 31. Oktober 1901. Das Regierungsreferat IVa beurteilt Weises Prospektskizze als der übrigen Einrichtung der Kirche entsprechend. Genehmigung durch die Regierung in Landshut am 30. November 1901.
Abnahmeprüfung der neuen Orgel am 23. Januar 1902 durch Orgelrevident Lehrer Vogl [: -D] aus Osterhofen.


Neuhofen

Die Kirchenverwaltung Neuhofen beschließt den Bau einer neuen Orgel für 2800 Mk. mit sieben klingenden Registern am 3. Juni 1906 nach Disposition und Berechnung der Orgelbau-Anstalt Ignaz Weise in Plattling. Die Regierung von Niederbayern genehmigt den Orgelbau am 23. Juni 1906, wobei die Bezahlung in drei Raten zu 1000, 1000 und 800 Mk. erfolgen soll. Die Orgel ist im Spätherbst 1906 fertiggestellt; das Bezirksamt Pfarrkirchen sendet den Befundsbericht am 24. November 1906 an die Regierung nach Landshut. Bis zur Ablauf der Garantiezeit soll eine Caution einbehalten werden.


Niederhausen

Kostenvoranschlag von Ignaz Weise zum Orgelneubau vom 27. Mai 1904 über 4000 M. Den Beschluß zum Orgelneubau fasst die Kirchenverwaltung Niederhausen am 12. Februar 1905 nach Plänen und Kostenvoranschlägen des Orgelbaumeisters Weise in Plattling. Das Bezirksamt Landau sendet die Akten am 15. Februar an die Regierung von Niederbayern ein. Das dortige Referat IVa urteilt über den Prospektentwurf von Weise: Ebenso ist die Zeichnung zum Gehäuse der neuen Orgel vom bautechnischen Standpunkt nicht zu beanstanden.. Die Regierung genehmigt den Orgelneubau am
16. März 1905; die Bezahlung der Orgel soll in drei Raten erfolgen, wobei die Schlußrate von 2000 Mk. erst nach erfolgreicher Prüfung zur Auszahlung gelangen soll.
Abnahmeprüfung der Orgel am 15. Mai 1905 durch Orgelrevident Benefiziat Peter Griesbach aus Osterhofen.


Pocking

Kostenvoranschlag von Weise zum Neubau einer größeren Transmissionsorgel über 5950 Mk. Die Unterlagen zum Orgelneubau wurden am 27. September 1911 vom Bezirksamt Griesbach an die Regierung nach Landshut eingesendet. Da in Pocking ein historisches Gehäuse des 18. Jahrhunderts vorhanden war, wurde wiederum das Generalkonservatorium für die Kunstdenkmale und Altertümer in München eingeschaltet. Von dort aus wurde den Verantwortlichen nahegelegt, das Gehäuse, evtl. auch entsprechend abgeändert für den Orgelneubau wieder zu verwenden oder es allenfalls behutsam abzubauen und einzulagern, damit es im Bedarfsfall an eine daran interessierte Kirchengemeinde abgegeben werden könnte.
Die Genehmigung zum Neubau erteilte die Regierung von Niederbayern am 23. November 1911. Die Orgel konnte allerdings erst im Spätherbst 1912 geliefert werden und das Abnahmegutachten wurde vom Bezirksamt Griesbach am 3. Dezember 1912 der Regierung vorgelegt. Weise lieferte ein neues Gehäuse in neugotischen Formen, stilistisch an den aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Altären der Kirche orientiert.


Wallersdorf

Zu diesem angeblich 1915 ausgeführten Orgelbauwesen konnte ich ebenfalls kein Schriftgut in den Akten der Regierung von Niederbayern auffinden. Da sich die Angaben der Baujahre in den Statistiken/Handbüchern des Bistums Passau bislang mit jenen in den Orgelbauakten decken, darf das Jahr 1915 als gesichert angenommen werden.


Wallkofen

Zu der in den Orgelmeldebogen für das Bistum Regensburg auf 1919 datierten Orgel sind in den Akten der Regierung für Niederbayern keine Unterlagen auffindbar. Im Vergleich mit anderen Angaben auf den Regensburger Orgelmeldebogen scheint das Baujahr durchaus wahrscheinlich.


Wannersdorf

Auch zu diesem angeblich 1915 ausgeführten Orgelbau konnte ich keinen Schriftverkehr ermitteln. Ich habe hier nach nochmaliger Auswertung der Statistiken/Handbücher des Bistums Passau größte Zweifel, ob in Wannersdorf 1915 überhaupt ein Orgelneubau stattgefunden hat (Handbuch Passau 1934: keine Orgel) oder ob es sich hier nicht um die spätere Aufstellung einer gebrauchten Orgel, nämlich der 1915 erbauten und wohl später umgebauten Transmissionsorgel aus der für den Filialort Wannersdorf zuständigen Pfarrkirche Adlhausen handelt. Von meiner Seite aus wurde der Eintrag im Werkverzeichnis Weise gestrichen.


Weng

Beschluß der Kirchenverwaltung Weng zum Neubau einer Transmissionsorgel am 1. März 1912 nach einem Kostenvoranschlag von Weise über 2500 Mk. Das alte Orgelgehäuse wird vom Generalkonservatorium in München als ohne künstlerischen und historischen Wert eingeschätzt und deshalb kann das neue Gehäuse nach einem Entwurf von Weise ausgeführt werden. Die Regierung von Niederbayern genehmigt den Orgelneubau am 1. Mai 1912.
Nach Fertigstellung der Orgel kann das Bezirksamt Landshut am 14. Oktober 1912 das Abnahmegutachten an die Regierung übersenden.


Wörth an der Isar

Disposition und Kostenberechnung der Orgelbauanstalt Weise für eine Transmissionsorgel über 2550 Mk stammen vom 5. Februar 1913. Das alte Orgelgehäuse soll für die neue Orgel wieder verwendet und zu diesem Zwecke gereinigt werden. Seine neuen Teile sollen einen der bisherigen Farbe des Gehäuses ähnlichen Anstrich erhalten. Finanziert werden soll der Orgelneubau durch die vom "Orgelbauverein Wörth" angesammelten Mittel. Die Kirchenverwaltung Wörth beschließt den Neubau am 9. April 1913.
Genehmigung durch die Regierung von Niederbayern am 25. April 1913; Fertigstellung im Herbst 1913.
Sämtliche noch brauchbaren Teile wurden 1937 in eine neue Weise-Orgel integriert, deren Prospektentwurf von dem Münchner Architekt Michael Simon stammte.


Damit wären wir für diese Woche durch, mein nächster Besuch in Landshut steht kommenden Mittwoch an und dürfte wiederum durchaus lohnend sein, was die Ausbeute anbelangt.


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