Frühe Weise-Orgel - noch ein paar Gedanken und Ansätze

MCVL @, Mittwoch, 16. Juli 2025, 10:32 (vor 418 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Mittwoch, 16. Juli 2025, 15:57

Ich frage mich nach dem lehrreichen Beispiel Neurandsberg, ob die zeitlich völlig aus dem Rahmen fallende Orgel für Mangolding 1889 überhaupt von Weise stammte oder ob dies auch nur eine Falschangabe in den Regensburger Orgelmeldebogen von 1944 darstellt, womöglich ebenfalls eine Verwechslung mit Hechenberger.
Ebenso scheint der angeblich 1892 von Weise ausgeführte Orgelneubau in Erlbach bei Altötting auf einer Fehlinterpretation der vorliegenden Literatur zu beruhen. Viel eher scheint dort Weise 1916 einen pneumatischen Unbau und eine Erweiterung einer einmanualigen mechanischen Kegelladenorgel von 1892 vorgenommen zu haben, deren Autorschaft nicht bekannt ist und die ebenso gut von einem der anderen "üblichen Verdächtigen" wie Hackl, Hechenberger oder Edenhofer stammen kann. Dem werde ich nach Abschluss der Forschungen in Landshut dann noch im Staatsarchiv München nachgehen, ebenso wie einigen noch unscharf datierten Orgeln im Amtsbezirk Pfaffenhofen/Ilm und im Berchtesgadener Land.

Momentan bin ich sehr im Zweifel, ob Ignaz Weise vor dem mit Sicherheit nachweisbaren Orgelbau für Tacherting 1897 überhaupt einen Neubau ausgeführt hat.


Meine Ansicht hat sich durch das Aufarbeiten des Orgelakts "Pleinting" noch weiter bestätigt. In dem Empfehlungsschreiben von Franz Borgias Maerz ist erwähnt, daß Weise durch bereits gelieferte Werke seine Tüchtigkeit nicht nachzuweisen vermag. Ebenso ist nur ein einziges Zeugnis über einen bis dahin von Weise erstellten Orgelneubau den Akten beigefügt, nämlich über denjenigen für Tacherting 1897. Ebenso liegt den Akten ein Gutachten bzw. Zeugnis des Passauer Domkapellmeisters Clemens Bachstefel bei, welches folgenden Passus enthält: Betreffs der Person des Erbauers aber als einen Neuling im selbständigen Betriebe des Orgelbaues möchte derselbe bei aller Wertschätzung des in Aussicht genommenen Meisters zur Vorsicht raten und die Ausbezahlung und Abnahme des fertig gestellten Werkes von Seiten der Kirchengemeinde Pleinting erst von der gut und erfolgreich bestandenen Orgelprüfung abhängig gemacht wissen.

Alles das spricht meiner Meinung dafür, daß Tacherting und Pleinting die ersten Neubauten von Ignaz Weise darstellen.
Über Mangolding werde ich am Mittwoch aus den Akten der Regierung der Oberpfalz womöglich weiteres in Erfahrung bringen können; zu Erlach am Dienstag, falls sich in den "Pfarrakten" im Bistumsarchiv Passau dazu etwas findet.
Ebenso möchte ich einmal noch der Frage nachgehen, ob 1889 als das bisher bekannte Gründungsjahr der Werkstatt überhaupt den Tatsachen entspricht oder Ignaz Weise sich erst in den späten 1890er Jahren selbständig gemacht hat. Ebenso spricht die Angabe von Franz Borgias Maerz, daß Weise bei ihm 15 Jahre beschäftigt gewesen sein soll, für eine Firmengründung in den späten 1890er Jahren, vor allem wenn man das Geburtsjahr von Weise 1864 berücksichtigt (!).


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