Labialklarinette

Cremona, Montag, 09. Juni 2025, 15:34 (vor 455 Tagen) @ MCVL

Über den beruflichen Werdegang von Branmann ist leider nur wenig bekannt. Nach einer eigenen Aussage in einem Schreiben an die Regierung des Schwarzwaldkreises Reutlingen verbrachte er vor der Selbständigkeit den größten Teil seines Berufslebens bei Weigle und Blessing. Wo er ausgebildet wurde und eventuell anschließend tätig war, erwähnt er nicht, obgleich er sonst sehr mitteilsam war.

Dem erwähnten Kostenvoranschlag lässt sich nur entnehmen, daß das Register von C-H aus Holz und ab c0 aus Zinn ausgeführt werden sollte, mit entsprechenden Intonationshilfen und nach eigener, neuester Konstruktion.

In Rißtissen war die Labialklarinette laut einer Aufzeichnung, die kurz vor dem Abbruch der Orgel 1985 angefertigt wurde, von C-h0 aus Holz und ab c1 aus Zinn angefertigt.

In der veröffentlichten Aufzeichnung von Harald Rapp 1984 fällt mir auf, dass nahezu alle Manualregister mit dem Vermerk "org" = original versehen sind - bis auf die Labialklarinette! Rapp war sich anscheinend nicht sicher, dass dieses Register original ist. Könnte es sich um einen späteren Ersatz für eine durchschlagende Clarinette gehandelt haben? Immerhin war die labiale Aeoline 8' definitiv nicht original! Branmann war bis 1871 Werkführer bei Blessing und übernahm dann dessen Werkstatt (laut Lexikon süddeutscher Orgelbauer). Blessing wiederum hat in Hettingen-Inneringen, St. Martin 1863-65 ein durchschlagendes Clarinet 8' mit Becher C-h Holz, ab c' Zinn vorgesehen und offenbar ab c' in Zink ausgeführt. Ähnlich waren wohl weitere Clarinetten von Blessing; vielleicht hat Branmann in Rißtissen diese Tradition fortgeführt? Wie sicher ist es, dass im Kostenvoranschlag Branmann definitiv eine labiale und keine linguale Clarinette beschreibt? "Neueste Konstruktion" kann ja auch lingual sein, damals wurden unzählige Konstruktionen entwickelt, um den durchschlagenden Zungen das Verstimmen gegenüber den Labialpfeifen abzugewöhnen!


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