Pfeife contra Digital

Martin78 @, Donnerstag, 13. Juni 2013, 17:30 (vor 4823 Tagen) @ IvesDKerne
bearbeitet von Martin78, Donnerstag, 13. Juni 2013, 17:42

Hallo,

ein Argument ist noch nicht genannt worden, was bei der oft anzutreffenden Organistenknappheit zukünftig öfter eine Rolle spielen könnte. Der ein oder andere mag mir vielleicht ganz zustimmen, aber ich habe schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass ein (guter!) Pfeifenorgel-Neubau Organisten förmlich "anzieht". Von Digitalorgeln kann ich das nicht unbedingt sagen.

Beispiel: Für ein gotisches Filialkirchlein meiner Heimatgemeinde, einen kleinen Ort mit vielleicht 250 Einwohnern, ließ unser damaliger Pastor in den 80ern eine Pfeifenorgel mit 6 Registern bauen: starker Subbass, Weitgedackt 8, Prästant 4, Rohrflöte 4, Waldflöte 2, waffenscheinpflichtige Mixtur IV (!) 1 1/3. Ein schönes Örgelchen, auf dem schon eine Menge geht, man kann ja auch die 4' / 2' mal oktavversetzt spielen etc... man muss sich nur darauf einlassen.

Es spielte bis dato nur eine sehr betagte Dame auf dem Harmonium. "Eine Orgel zieht Organisten an" meinte er auf die Argumente mancher, wozu der Ort denn ein teures Instrument brauche. Das Gottvertrauen half: Kurze Zeit später zog jemand in den Ort, der den Dienst bis heute zuverlässig übernahm. Zufall, natürlich. Aber auch bei anderen (guten) Orgeln habe ich es erlebt, dass es kein Problem ist, einen festen Nebenamtler und auch Vertretungen zu finden.

Ich selber war auch bereit, in einer Nachbargemeinde unserer Seelsorgeeinheit den sonntäglichen Orgeldienst (und dann auch den Kirchenchor) zu übernehmen, weil sich das kleine Dorf (320 Einwohner) Anfang der 80er eine dezente, aber feine 16-Register-Pfeifenorgel einer heute sehr renommierten Firma gegönnt hatte. Vorher hat dort ein Harmonium gestanden - ganze zwei Registerzüge, ein Witz angesichts einer Kirche von ca. 300 Sitzplätzen. Wäre Anfang der 80er in eine Elektronikorgel investiert worden, hätte man die 2000, als ich dort anfing, vermutlich in die Tonne kloppen können. In beiden Fällen hätte ich den Organistendienst wohl nicht übernommen.

Fairerweise muss ich auch anführen, dass mir bislang noch keine Digitalorgel in einer einer oben erstgenannten Pfeifenorgel vergleichbaren Preisklasse (also im o.a. Beispiel heute wohl um die 50.0000 Euro) unter die Finger gekommen ist. Wobei mir CC-Klänge bis hin zum 32' in einer kleinen gotischen Dorfkirche allerdings albern vorkommen würden.

Viele Grüße!
Martin


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