Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 22. Juli 2024, 20:43 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Es muss nichts Bekanntes sein. Das Publikum ist zumindest teilweise intelligent und aufgeschlossen. Sonst könnten Komponisten es gleich sein lassen, Neues zu komponieren.Ich jedenfalls höre am liebsten Orgelmusik, die nicht kenne bzw. noch nie gehört habe. Und Leute wie James Hicks haben volle Hütten, weil sie eben nur Unbekanntes Spielen. Und die Leute sind anschließend begeistert.
Wie war das ( allgemein!) so mit Scheuklappen?

Ich kann nicht bestätigen, dass ich am liebsten Unbekanntes höre - wobei mein "Bekanntes" eben auch nicht Sekundär- oder Tertiärliteratur ist.
Zur Eingangsfrage: Schon mal gehört von diesen Komponisten?
Nein. Und das kann folgende Gründe haben:
1) Die Komponisten waren demütige Persönlichkeiten und kümmerten sich nicht darum, dass sie verlegt und/oder gespielt werden.
2) Ihre Musik war anachronistisch, was im Allgemeinen heißt: veraltet, retrospektiv. In die Zukunft weisend war eher unwahrscheinlich...
3) Ein oder mehrere Zeitgenossen haben sich aktiv gegen die Verbreitung der Werke eingesetzt.
4) Die Musik ist einfach nur solala.

Ein Kollege wollte bei unserem gemeinsamen Prof. Vierne's "Carillon de Westminster" studieren. Der lehnte ab: "Das können Sie sich selbst beibringen." Ich wollte mal ablehnen, die "Suite gothique" zu unterrichten, allerdings hatte die Studentin beim Vorgänger schon damit begonnen... Beides heißt ja nicht, dass man die Stücke nicht spielen sollte. Aber es gibt Dinge, die lohnenswerter sind.
Klar, nicht jeder Bach ist bei fernstehendem Publikum wirklich geeignet. Manches ist zu lang, auch wenn es toll gespielt wird. Aber bevor ein Publikum Bruckner-Transskriptionen bekommt, sollte es die wesentlichen Stücke von C. Franck gehört haben. Zugegeben, der Bruckner wäre anschlussfähiger an jene Publikumsteile, die grundsätzlich schon Liebhaber der sogenannten klassischen Musik sind.
Denn bei diesem Publikum - das zeigt immer sehr schön das samstägliche NDR-Wunschkonzert - bleibt es wirklich bei den ollen Kamellen, zu denen dann auch Galanterie- und Effektstücke gehören, Hauptsache: nicht "modern"...


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