Orgelergonomie

Gast @, Freitag, 17. Oktober 2014, 19:37 (vor 4405 Tagen) @ jrbecker

Wie gerne hätte ich an "meiner" mit 20 Registern tatsächlich kleinen Orgel einen Setzer... [...] Alle anderen genannten "klassischen" Spielhilfen (bis auf die Koppeltritte, die ich aber habe) bräuchte ich an "meiner" Orgel nicht.

Auch fuer kleinere, rein mechanische Orgeln gibts es nette Hilfsmittel, die einem als Organisten das Leben deutlich einfacher machen koennen...
Ich denke da vor allem an Gruppenzuege (z.B. fuer das zusammengesetze Cornet im NW oder den Prinzipalchor im HW), Abstelltritte fuer die Mixturen, Sperrventile fuer die Zungen und vieles mehr.

Ich denke eher: Wenn du so etwas haettest, wuerdest du es auch benutzen :-)
Es muss daher nicht immer gleich eine Setzeranlage sein. (Wobei auch grade kleinere Orgeln oft das Problem haben, dass auch einfach der Platz fuer die Schleifenmagnete/Motoren nicht da ist.)


Bei vielen Orgeln wird meiner Meinung nach der Fussraum viel zu wenig ausgenutzt - oft findet man dort nur die Koppeltritte (wenn ueberhaupt!), evt noch eine oder zwei Pistons fuer den Setzer...
Hier wird viel Potenzial verschenkt: Es macht meiner Meinung nach schon ein grossen Unterschied, ob ich fuer das Umregistrieren in einer Atempause zwischen zwei Gemeindestrophen nur zwei Haende zur Verfuegung habe, oder ob auch die Fuesse sinnvoll mit einbinden kann!

Ich habe in meiner Dienstorgel (eine Englaenderin von 1907) feste Werkskombinationen als Fusstritte - und moechte die wirklich nicht mehr missen!
Oft ist es dann eben doch noch DEUTLICH schneller, per Fuss z.B. das SW-Tutti zu schalten und dann noch kurz mit einem korregierenden Handgriff wieder auf die eigentlich gewuenschte Registrierung zu reduzieren, als nur mit der Hand vom piano komplett aufzuregistrieren, wo ich ansonsten quasi vier(!) Handgriffe fuer brauche.

Frueher habe ich ueber die "festen Kombinationen" auch nur gelaechelt - und nicht ohne Grund sind diese ja landlauefig als Bevormundung fuer inkompetente Organisten verschrien :-)
Mittlerweile habe ich diese Dinger - uebrigens auch im Konzert! - sehr zu schaetzen gelernt, weil sie sehr oft Umregistrierungen einfach deutlich erleichtern.


Eine unergonomisch gebaute Orgel damit zu begruenden, dass man ja eh eine Setzeranlage hat, zieht fuer mich nicht.
Fuer den Konzertbetrieb moegen sicherlich andere Vorraussetzungen gelten - aber grade die Liturgie benoetigt einfach Spontanitet. Und da muss meiner Meinung nach wirklich JEDE (Kirchen-)Orgel - zumindest auf eine eine gewisse Art und Weise! - auch intuitiv bedienbar sein!


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