Orgelergonomie

Gast @, Donnerstag, 16. Oktober 2014, 23:38 (vor 4406 Tagen) @ Heuler

Dem stimme ich voll zu.
Einerseits klagen wir, dass alle Orgeln "Mainstream" seien,
andererseits soll sich die Orgel in kurzer (Einspiel-)Zeit erschliessen.
Das passt nicht zusammen!

Ich glaube dagegen schon, dass das ganz grundsaetzlich geht!


Ich sehe in den letzten Jahren immer mehr die Tendenz, dass bei Neubauten zwar selbst Kleinstorgeln eine Setzeranlage bekommen, aber die "klassischen" Spielhilfen wie z.B. Fest- und Werkskombinationen (="Divisionals"), Piano-/Fortepedal, Koppeltritte, Zungenabsteller und teilweise sogar die Walze (die durchaus auch in Barock gepraegten Orgeln als Spielhilfe sehr, sehr viel Sinn machen kann!!!) immer weniger gebaut werden :-(

Diese Problematik ist aber eigentlig unabhaengig von der Stilrichtung der Orgel und betrifft sowohl "Mainstream" als auch "Nicht-mainstream"-Orgeln.


Wenn ich an eine fremde Orgel - und zwar voellig unabhaengig vom Stil oder Groesse komme! - erwarte ich eigentlich, dass ich alleine schon nur durch das Anschauen(!) des Spieltisches herausbekomme:
1.) Manualverteilung
2.) "funktionelle" Aufgabe der verschiedenen Teilwerke
3.) eine eindeutige Zuordnung zwischen Handregistern und den Manualen (leider heutzutage auch nicht mehr selbstverstaendlich :-( )

Ansonsten interessiert mich noch beim "Einspielen":
4.) Wo sind die charakteristischen Solostimmen, wo liegen die Begleitstimmen dazu?
5.) Wie kan ich moeglichst effektiv (=moeglichst wenig Bewegung!) die Orgel Auf- oder Abregistrieren?

Mehr brauche ich zumindest fuer einen normalen Gottesdienst eigentlich nicht wirklich wissen - und zumindest diese Punkte sollten sich nach spaetestens 30 Minuten klaeren lassen. (Bei Konzerten sieht das natuerlich wieder deutlich anders aus!)
Und ja: Wenn ich fuer so etwas elementarisches wie die Gemeindebegleitung anfangen muss, mit Setzern zu arbeiten, ist die Orgel - wenn auch vielleicht klanglich auch noch so unglaublich spannend und interessant - zumindest ergonomisch gesehen einfach nur Schrott!


Was das urspruengliche Instrument des Threaderstellers angeht:
Wenn ueberall wirklich das drin ist was draufsteht und das Spieltischdesign wirklich gut durchdacht ist, sollte es auch dort mit den von mir genannten "30 Minuten" fuer einen Gottesdienst reichen.
Das von mir erwaehnte Beispiel (Die Klaisine in Kristiansand) dagegen ist vom Spieltischdesign her gesehen einfach nur eine ergonomische Katastrophe :-(


PS: Ich weiss wirklich nicht, wieso dieses CC-"Terassendesign" ueber beide Seiten gezogen eigentlich so populaer ist?!? Da ist ja fast jeder 50er-70er-Spieltisch deutlich besser bedienbar....


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