Wann Denkmalwürde? War: Walckerinnen im Schwabenland, CD Walcker Reinoldi Dortmund

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 05. November 2024, 19:54 (vor 674 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 05. November 2024, 19:59

Und: wenn man Denkmalschutz im Sinne der Hauptsache, nämlich Klang, ernst nimmt, muss man eben schlimmstenfalls technisch neu bauen.

Heißes Thema, vermutlich abhängig vom Wesen der denkmalschützenden Person. Vielleicht unmusikalisch, aber begeisterter Modelleisenbahner, also werden Drähte, Schrauben etc. verehrt.

Oder mehr ein Ästhet, der die sinnliche Wirkung des Instruments in Blick nimmt, egal mit welchen Mitteln erzeugt.

Das war ja der Rieger-Ansatz beim Rostocker Wettbewerb - technischer Radikal-Neubau, aber weitgehende Bewahrung des Bestandes, Eingriffe in die klangliche Gestalt (=Intonation) eher gering. Naja, da kann man vorher viel behaupten, niemand kann das wissen.

Aber jedenfalls könnte die Orgel in den Registrierungen ihrer Einweihung gespielt werden. Was aber, wenn sie "schöner" klingt als damals? Dann haben wir mal wieder so eine Verbesserung, wie vielleicht ja auch in Ratzeburg und an vielen Orten, wo Orgeln ein wenig "angepasst" wurden. Mir kommt der Begriff "ausgleichende Nachintonation" in den Sinn etc.

In Rostock könnte man wiederum entgegnen: Der Denkmalwert ist nicht so hoch. Das dürfte stimmen, aufgrund der bekannten Umstände von Herbst 1937 bis Herbst 1938 und dem Befund vor Ort müssen wir sagen: War eine pfuschige Aktion, auch wenn Schönes dabei ist.
Ich selbst war der höchste Denkmalpfleger dieser Orgel, man lese mein Nachwort zum Kolloquium (hier ab S. 88 bzw. 94), wo ich versuchte, denv Zustnad des Instruments als bewusste Äußerung seiner Zeit darzustellen... zumindest bewusster, als es die Teilnehmer 2009 einzuschätzen willig waren. Aber wir können mit den Verantwortlichen von 1938 nicht mehr sprechen, die Aktenlage ist nahezu nicht vorhanden.

Was wir versuchen könnten, wäre im Sinne Harnoncourts, herauszufinden, was GEMEINT war. Und das würde tatsächlich (in Rostock) die Wiederverwendung der alten Pfeifen bedeuten, sogar ihre Verbesserung und vor allem eine viel Bessere Aufstellung, denn Sauer hätte gerne die Friedensmaterialien benutzt und wohl auch gerne viel mehr Zeit gehabt. Schleifladen blieben es (wahrscheinlich) trotzdem, da wäre man sich mit der Vergangenheit einig.


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