Orgelbewegung

Unda Maris ⌂, nahe Hamburg, Freitag, 22. Juli 2011, 09:23 (vor 5524 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Unda Maris, Freitag, 22. Juli 2011, 09:34

Die mechanische Schleifladenorgel als Ziel der Orgelbewegung anzusehen, halte ich für sehr plausibel. Demnach wäre sie tatsächlich erst nach 1950 verwirklicht worden. Dennoch gibt es natürlich vorher schon die klangliche Umformung, die freilich noch auf elektrischen Kegelladen verwirklicht wird. Schon in den 1920er Jahren gehen die romantischen Stimmen zurück zugunsten kurzbechriger Zungen, hohen Einzelaliquoten, stärkeren Mixturen. Auch wenn die Intonation noch nicht so radikal geändert wird wie in der Nachkriegszeit, klingen die Instrumente doch schon deutlich anders als um 1910. Ein gut erhaltenes großes Instrument aus dem Jahr 1932 steht in Ludwigshafen, Herz-Jesu (Klais-Orgel). Diese Orgel ist ganz eindeutig "orgelbewegt", aber (noch) nicht "neobarock", meines Erachtens.

Neben Klais hat auch Marcussen auf diesem Gebiet schon sehr früh die Weichen für einen zeitgemäßen und klangvollen Orgelbau gestellt. Als beeindruckendstes Beispiel dafür gilt die 1940 gebaute Chororgel der Grundvigskirche in Kopenhagen. Ein Instrument, welches noch heute durch Ausführung und Klang begeistert. Die Hauptorgel, auch von Marcussen später erbaut, kommt da klanglich nicht heran. Das Instrument wurde lediglich einmal seitdem gereinigt und etwas nachreguliert. Ansonsten steht alles "wie am ersten Tag". Auch der Prospektentwurf ist für 1940 doch sehr gelungen. Sybrand Zachariassen nahm übrigens so ziemlich an allen Tagungen der dt. Orgelbewegung teil. Zu den Ausführungen von Hans Henny Jahn, der in gewissen Bereichen ja durchaus Verdienstvolles geleistet hat, schrieb S. Zachariassen in seine Aufzeichnungen zu HHJ nur eines: "Blödsinn".

P.S.: Wer sich für die Firmengeschichte der Marcussens näher interessiert, dem sei die vorzügliche Festschrift anläßlich des 200 Firmenjubiläum empfohlen. Für ca. 35 Euro bei 144 Seiten und mit zahlreichen farbigen Abbildungen auch noch erschwinglich. (dänisch/englisch)


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