Quintade besser als Bordun

Friedrich @, Donnerstag, 21. Juli 2011, 14:54 (vor 5525 Tagen) @ BourdonCéleste
bearbeitet von Friedrich, Donnerstag, 21. Juli 2011, 15:26

Interessant ist ja, was Frankreich aus der "Neoklassik" gemacht hat ...
Nur, was ist dann eigentlich "neoklassisch"??

Im Vergleich mit Cavaillé-Coll: ein flächigeres, weniger stark orchestral strukturiertes Klangkonzept. Kräftige Pleins-jeux mit vielen Repetitionen, weniger dynamische Mensurverläufe (also nicht die starken Crescendi vom Bass zum Diskant), weniger runde Zungenregister. Soweit ich weiß, war das vor allem eine Entwicklung von Gonzales, die dann alle mitmachten. Dazu würde ich jetzt gern einen wie Stephen Bicknell fragen ...

Ist das nicht eigentlich beispielhaft für den behutsam weiterentwickelnden Umgang mit Tradiertem?

Ich weiß nicht so recht. Der Zustand von 1868 war doch um einiges experimenteller mit den Pleins-Jeux harmoniques, dem Basson-Chor im Grand Orgue und dem Clarinettes-Chor im Positif. Und ist es wirklich behutsam, wenn Expressionen und Winddruckabstufungen beseitigt werden? Die Cochereau-Aufnahmen präsentieren die Orgel doch ziemlich flächig (ich habe sie zwar einmal in diesem Zustand bei einer Audition gehört, habe daran aber keine Erinnerung mehr) in allen Dimensionen, ob Grundstimmen, Zungen oder Plena. Jetzt gefällt sie mir besser, sie kommt mir "tiefer" und vielfältiger vor, was aber -- außer an der Restaurierung -- daran liegen kann, dass ihre jetzigen Organisten sie einfach anders spielen, als Cochereau das tat.

Gruß,
Friedrich


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