Quintade statt Bordun

Friedrich @, Mittwoch, 20. Juli 2011, 16:39 (vor 5526 Tagen) @ Subkoppel II - I

Die 16'-Quintaden kamen mit der Orgelbewegung auf und waren in dieser Reinkarnation oft eine eher unliebenswerte Angelegenheit, die unter spitzen Plena kehlig herumgurkte. Ein Vorteil gegenüber einem Bordun war der geringere Platz- und Materialbedarf.

Historisch kommen natürlich auch 16'-Quintaden vor -- nicht zuletzt in Norddeutschland, z. B. in Norden neben der prinzipalartig-weichen 16'-Trommet oder in den großen Hamburger Orgel, wo sie mit Trommet und Prinzipal ein 16'-Trio bilden. Wolfram Syré schrieb in einem OI-Beitrag, dass sich die norddeutschen Sechzehnfüßer gegenseitig in der Ansprache unterstützten und dem Ziel Gravität dienten.

In der Romantik findet man 16'-Quintaden in Nebenwerken, in Frankreich als Quintaton in den Positifs und Récits expressifs, in Deutschland in den Schwellwerken als Streicher-Stellvertreter.

Manche orgelbewegten 16'-Quintaden wurden inzwischen umgearbeitet; höhere Aufschnitte und Intonation auf höherem Winddruck machen sie etwas grundtöniger. Ich glaube, Rudolf Janke hat so etwas mit der Ottin in Göttingen, St. Johannis gemacht und das Register in Gedacktpommer umgetauft.

Einen musikalischen Vorteil des Registers sehe ich -- wenn es klanglich gelungen ist -- darin, dass die 16'-Linie nicht aufdringlich wird, aber immer noch gut artikuliert klingt und nicht schmiert. Allerdings ist die Klangverschmelzung oft ein Problem. Wenn sie nicht glückt, hat man den Eindruck, dass der 16'-Klang den höheren Registern wie ein Schatten folgt.

Grüße,
Friedrich


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