Achtung, ätzend (war: Einweihung Hildesheim)

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 22. August 2014, 17:22 (vor 4461 Tagen) @ Friedrich

Das ist kein Musikinstrument, das ist ein Wandbehang in Albert Speers Musikzimmer. Dagegen ist die Speyerer Fassade, in all ihrer musikalischen Ignoranz, direkt elegant.


Nachschieben möchte ich hier noch, dass sich meine Ablehnung nicht gegen den Orgelbauer richtet, der in beiden Fällen beteiligt war.

Viele Grüße
Friedrich

Dann will ich auch mal wieder...:

Friedrich liefert eine sehr fundierte Erklärung für seine Abneigung. Ich persönlich sage gerne einmal mehr, dass ich den Prospekt von Hildesheim nicht so schlecht finde.
Ich kenne den Dom aber gar nicht, daher sollte ich mich zur Raumwirkung zurückhalten. Die Weihe habe ich kurz im NDR-Stream gesehen. Die Akustik war schon recht matt, was die aus meiner arroganten Rostocker Marienkirchen-Sicht etwas geringe Kubatur (kathedralmäßig gesprochen) für das Ohr darstellte. Aber nur an Heiligabend werden ähnliche Eindrücke vorzufinden sein, es wird im halbleeren pder leeren Dom noch besser klingen.
(ICh habe ausgezappt als Mozart (?) erklang. Ich bin leider von Jugend an mit Wiener Klassik überfüttert, zumindest, wenn sie im Verbund mit Gottesdiensten oder Hochämtern auftritt. Egal.)

Was ich unterstreichen möchte, auch aus eigener täglicher Erfahrung:
Der ausführliche Bericht weiter oben über den mittelalterlichen Gebrauch einer Großkirche enthält sehr wichtige Wahrheiten. Es war eine Bahnhofshalle. "Meine" Kirche ist es, jedenfalls sommers um die Mittagszeit, auch wieder, trotz des Mittagsgebetes. Und viele andere vielbesuchte Kirchen auch. Die Frage der Achsengestaltung und und und... auch ich teile die Vermutung, dass es vor allem eine architektonische Frage war, weniger eine liturgische. Dennoch, in der Kathedrale von Canterbury fand ich diesen Sommer noch einmal den deutlichen Hinweis darauf, dass das Langhaus dem eintretenden Pilger als langer vorbereitender Weg bis zum Lettner (Screen) erscheinen sollte, an dessen linkem Ende eine Pforte seinen Weg in die vorderen Seitenschiffe bzw. den Umgangschor - oder eine Etage tiefer in die Krypta, analog - weiterleiten soll.
ÜBrigens auch in Canterbury ein großer Seitengiebel als Eingangsbereich. Ein Hauptportal ist, ebenso wie auch der Mitteldurchgang im Lettner, wohl VIPs bzw. Klerikern vorbehalten gewesen.

Ich schrieb hier schon im Lübeck-Thread, dass in der dortigen Marienkirche die einen noch stolz sind auf die mittelalterliche Sichtachse von der Turmhalle zur Ostapsis (wobei auch dort der überwiegend genutzte Eingang im Südquerhaus liegt, schon "immer"....), während die anderen bereits die Wiederaufstellung des beschädigt eingelagerten Hochaltars und eventuell sogar eine Lettnerrekonstruktion planen. Hier, typisch evangelisch vielleicht, keineswegs aus liturgischen, sondern akustisch-musikalischen Gründen...!

In unserer Marienkirche freue ich mich täglich an vier Sichtachsen: Drei Schiffe und das ebensolange Querhaus. Und durch die Kanzel am Vierungspfeiler gibt es mehre liturgisch deutbare Richtungen...

Ich bin gespannt auf die ersten brauchbaren Videos oder Tonaufnahmen aus Hildesheim. Denn wie hier schon reichlich festgestellt, der Erwartungsdruck auf Seifert ist ja hoch, bei dieser Vorgeschichte des Projekts.


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