Achtung, ätzend (war: Einweihung Hildesheim)

Friedrich @, Dienstag, 19. August 2014, 09:21 (vor 4464 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 19. August 2014, 11:16

… Ich werd's mir wahrscheinlich noch im August selbst anhören.

Dann bin ich mal gespannt.

Aber zu diesem kalten, harten In-Reih-und-Glied-Prospekt fällt mir einstweilen wirklich nichts anderes ein als: postmoderner Fascho-Kitsch.

Ich will dem Architekten da nichts unterstellen – außer dass er es offenbar nicht für nötig hielt, sich die Zeit zu nehmen, das Musikinstrument Orgel als musikalisch-architektonischen Funktionszusammenhang zu verstehen. Wie es eben Leute wie Joseph von Glatter-Götz, Fritz Leweke, Josef Schäfer und Jakob Schmidt taten.

Man sieht aber auch keine einzige musikalische Funktion in irgendeinem architektonischen Glied. Die gestaffelten Pfeifenflächen spielen Kulissenschieben und verzerren die Perspektive. Deswegen gibt die Gestaltung auch keinen Sinn für ein maßstäbliches Groß-Klein an die Hand, wie es einem Ding angemessen wäre, das in solchen Verhältnissen funktioniert – dem Musikinstrument Orgel nämlich, mehr als jedem anderen.

Wo hier der Mensch Platz hat, der das Ding spielen soll, wird von der Gestaltung komplett verschleiert, es ist ein menschenloses, unmenschliches Ding – »die Orgel spielt«, und die hier spielt Lieder von vor siebzig Jahren. Die Maßstäblichkeit und Menschlichkeit, die hier fehlen, sind wichtige Elemente der Reformbewegungen zurück zur in sich geschlossenen, mechanisch traktierten Orgel mit Spielschrank. Nicht so hier.

Das ist kein Musikinstrument, das ist ein Wandbehang in Albert Speers Musikzimmer. Dagegen ist die Speyerer Fassade, in all ihrer musikalischen Ignoranz, direkt elegant.

Meint ganz im Ernst
Friedrich


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