Ergänzungen zu Königschaffhausen

MCVL @, Mittwoch, 14. Februar 2024, 12:27 (vor 924 Tagen) @ MCVL

Ich habe mich nun etwas näher mit den in Karlsruhe befindlichen Akten, die digitalisiert und online einsehbar sind, beschäftigt und kann zur Orgel Königschaffhausen noch mehrere Dinge ergänzen.

Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand A 229 (Spezialakten der kleineren Ämter und Orte) Nr. 55808 Beschaffung einer neuen Orgel zu Königschaffhausen 1789-1805


Den Ausschlag zum Orgelbau in Königschaffhausen gab die von Georg Marcus Stein 1789 in den Nachbarort Leiselheim gelieferte Orgel, wie aus einem Schreiben des Oberamts Hochberg (mit Sitz in Emmendingen) an die Karlsruher Hofbehörden vom 29. September 1789 hervorgeht:

Die kürzlich mit höchster Genehmigung in Leiselheim neu aufgestellte Orgel ist so gut ausgefallen, daß sie Jedermanns Beifall erhält, und die mit jener verbundene Pfarrei Königschaffhausen wurde hierdurch angereizt, in ihre eigene weit schönere und grösere Kirche, worinnen alle ander Sonntag öffentlicher Gottesdienst gehalten wird, statt einer alten geringen und schlechten Orgel ebenfalls eine neue zu verlangen.

An der Disposition wurde von verschiedenen Seiten bemängelt, daß sie auf einem Prinzipal 4' basiert und es wurde der Bau eines 8'-Prinzipals im Manual empfohlen, bei einer Orgel dieser Größe sicherlich verständlich. So wurden vom Gemeinderat Königschaffhausen verschiedene Lehrer aus der Nachbarschaft zu dieser Angelegenheit befragt:

Wegen einer hier in Vorhaben anzuschaffenden neuen Orgel, haben wir auf den - von Hl. Stein von Durlach uns zugeschickten Riß und Disposition auf Hochfürstl: Oberamtl: Befehl uns bey dem Schulmstr. Schäfer in Eichstetten und Schulmstr. Bauschlicher in Ihringen, auch Schulmstr. Lochner in Endingen befragt, was Sie theils vom Riß, theils von der Disposition hielten, so äußerten sämtliche, daß das Principal zu den übrigen angegebenen Registern zu schwach seye von 4. Fuß, und also 8 Fuß erforderlich seye.
Und was den Preiß anbelange, so wäre er nicht übertrieben, wenn Hl. Stein das Principal 8. Fuß machte umd das ganze Werck in seinen Kosten hieher lieferte.

Auch der von den badischen Hofbehörden als Sachverständiger hinzugezogene Kapellmeister Joseph Aloys Schmittbaur äußerte sich ähnlich:

Zwar wünschte ich, das statt des Zu gesicht gesezten 8tro Basses ein Principal von 8. fusthon (: so die seele eines orgelwerks :) so weit es nehmlich die den Riss nach leidende Hohe von 14. schuh, vermuthlich von b. auf erlaubte, gemacht würde.
Es würde neben bey mit dem in der Disposition in 13ten register des Bourdons 16 fusthon besser quadriren.
[...]
Übrigens ist der wehrt, und alle bedungene Conditionen so leicht und sperlich angesezt, das ich zweiflen dürfe bey gegenwärtig theuren Zinn und Mettall Materialien, ob der orgel macher Stein großen gewinn machen werde. Ich harre in tiefster Erniedrigung.

Der zu dieser Angelegenheit befragte Stein bedauerte, es könne aus Gründen der Raumhöhe kein 8'-Prinzipal für das Manual angebracht werden. Die etwas kuriose Disposition mit 4'-Prinzipal bei 18 Registern kam also nicht aus irgendwelchen musikalisch-künstlerischen Gründen heraus zu Stande, sondern hatte ihre Ursache in den örtlichen Platzverhältnissen.

Zu der Sache mit der Vox humana: ich bin sehr skeptisch, ob eine solche jemals in Königschaffhausen vorhanden war, obwohl dies laut Sulzmann allem Anschein nach der Fall gewesen sein soll.
Die Angelegenheit wird in einem nach Fertigstellung der Orgel im Herbst 1793 vom Gemeinderat Königschaffhausen an das Oberamt Hochberg gerichteten Schreiben näher erläutert:

Auf erhaltene Abschrift die Hiesige Orgel betrefend wegen 100. f welche über den Accord sollen bezahlt werden. Wie der Accord geschloßen mit dem Orgelmacher Stein auf die in dem Accorde beschriebene Register auf 1250 f, so war die Rede weil die Leiselheimmer ein Register mit Menschenstimmen haben, so wäre es auch billig in Hiesiger Orgel auch ein besonderes Register machen zu laßen, dan nun Stein zu verstehen gab waß vor ein Register könnte angebracht werden, welcher dan vorgab daß ein Register das Grummhorn genant welches noch über die Menschenstimme noch wohl könnte angebracht werden, welches aber 100. f koste, wo dan dem Stein so viel zu verstehen gegeben worden daß solches Register noch über den Accord gemacht würde [...].

So wie ich das verstehe, stellte Stein den Wert eines Krummhorns über den einer Vox humana und solches wurde dann über den Akkord hinaus in Auftrag gegeben, nicht, wie Sulzmann es wohl ausgelegt hat, zusätzlich zu einer Vox humana sondern als einzige Manualzunge.

Weiters kann ich noch ergänzen: 1802 befand sich die Decke über der Orgel in schadhaftem Zustand und wies größere Löcher auf, die nach Angaben der Gemeinde den Schall schluckten und so den Orgelklang verdarben (!). Zudem fiel ständig Schutt und Schmutz in die wertvolle Orgel. Abhilfe wurde durch Anbringung einer neuen Gipsdecke über der Orgel für 100 fl. geschaffen. Ob und durch wen die Orgel dabei teilweise demontiert werden musste, geht aus den Akten nicht hervor.

1805 wurde das Gehäuse durch den Maler Georg Wohlschlegel aus Endingen für 150 fl. mit einer Farbfassung versehen und vergoldet.


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