Voix humaine au Récit

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 30. Dezember 2024, 13:01 (vor 620 Tagen) @ MichaelS

Auch hier vielen Dank für die Informationen und Standpunkte zur VH.

Niun habe ich ja selbst hier Rostock mit eingerührt, das fürht zu einer inhaltlichen Mischung, die eigentlich einen eigenen Faden verdienen würde. Naja, vielleicht dauert es ja auch nicht so lang.

Die drei Dispositionen für Rostock gefallen mir indes alle drei nicht wirklich.
- Die Disposition Weimbs/Grenzing ist sehr verliebt in diverse Spielereien, bringt ein paar Dispositionsfehler mit sich und vereint dann durch verschiedene Aux- und ET-Laden nur auf dem Papier zusammengehörige Register in einem Werk, die dann u. U. doch weit auseinander stehen. Ähnlich wie bei Klais ein im Kern klarer Aufbau, allerdings mit unnötigen Höhenstaffelungen und dem Kronwerk, das mir nach Problemen ruft.

Gegenwärtig (!) lassen sich voneinander räumlich sehr entfernte Register sehr gut kombinieren - der Grund ist aber, dass sie keine ausgeprägte Ansprache besitzen. Gäbe es die, würden die Abstände sicherlich hörbar werden. Daher ist diese Problematik auch intonationsabhängig und könnte entsprechend mehr oder weniger auftreten.

- Die Disposition Klais ist etwas sehr einseitig in Richtung der deutschen Neu-Romantik, lässt dabei ebenso völlig das klassizistische Gehäuse außer Acht wie heute gerne gehörte Musik aus der englischen und der französischen Tradition. Schön bei Klais finde ich die klare Anordnung der Windladen und das SW ganz unten über dem Spieltisch.

Die Dispo wurde ja im begleitenden Text durchaus unter Vorbehalt gestellt, und doch merkt man einen der aktuellen Schwerpunkte der Arbeit von Andreas Saage, die Abfassung steht ja auch in zeitlicher Nähe zur Würzburg-"Fertig"stellung. Demnach findet sich viel von der behaupteten oder tatsächliochen Nähe eher süpddeutsch-geprägten Hochbarocks zur deutschen Romantik. Das könnte so ähnlich auch von Bossert kommen. Und daher teile ich auch die Skepsis in Bezug auf den Standort des Instruments - das wäre schon ein wenig Kulturimport, wie es ein deutlich französisches Isntrument ebenso wäre.

- Die Disposition Rieger orientiert sich sehr am Klangbestand Sauer 1938 und wiederholt die in dieser Zeit oft gemachten Fehler. Nicht Fisch nicht Fleisch, nicht romantisch, nicht barock, das ganz frühe Stadium der Universalorgel. Da ist das Fehlen der V. H. im SW m. E. das kleinere Problem.

Letzteres stimmt sicher, zumal ja die anderen Zungen auch nicht französisch wären (akllerdings nicht schleecht klingen, meiner Ansicht nach). "Nicht Fisch, nicht Fleisch" - nach den Feiertagen und relativ viel Konsum von Ersatzprodukten auf Soja- oder Erbsenbasis zumindest für Fleisch würde ich sagen: Das ist mir doch etwas zu kategorisch. Die Universalität der Rostocker Orgel ist ein sehr hohes Gut. Das heißt ja nicht, dass alles schick wäre, sonst müssten wir ja nichts machen. Es heißt aber, dass ich eben Reger sehr gut darstellen könnte, Weckmann und Buxtehude vor allem Ungleichstufigkeit vermissen lassen, nicht aber spezifische Register, Bach geht quasi wunderbar, gerne auch Trio-Stücke und -Sonaten - ja, was fehlt denn dann eigentlich? Es kommt insgesamt etwas zu wenig raus, und der Mix aus Ernst Karl Rößlers Ideologie und der Wiederverwendung barocker Laden sorgt für einen schwachen und platten Diskant. Und genau das ist auch der Hauptmangel für französische Symphonik - weniger die Farben, als dass Mittel- und Basslage im Verhältnis zur Melodie immer etwas zu stark sind.


Allen drei Entwürfen ist gemein, dass die bei der Hauptorgel gemachten "Fehler" (ja, es ist subjektives Empfinden) direkt wiederholt werden. Es findet kein stilistischer Kontrast statt, so würde man doch vor Allem im Entwurf Klais doch eine barock ausgerichtete Orgel erwarten als Gegenüber.

Das verstehe ich jetzt nicht wirklich und würde mich über eine Erläuterung freuen! Kontrast zwischen unterschiedlichen Richtungen innerhalb des Instruments? Kontrast zur optischen Erscheinung?


Was ich jetzt für mich völlig außer Acht gelassen habe ist die Einordnung des Instruments in eine Orgellandschaft. An deutsch-Romantischen Orgeln mangelt es an der Ostsee bekanntlich nicht, auch größere und bedeutende Instrumente sind vorhanden. Barocke Instrumente sind auch vorhanden, ebenso deren Nachbauten. Und natürlich sind Orgeln aus den 30er- bis 70er Jahren vorhanden. Die "Moderne Großorgel" dürfte eher weniger vertreten sein.

Genau. Die 30er-70er-Palette ist allerdings nicht so breit, dennoch vorhanden. Die gelungene Sauer von 1934 in Güstrow Pfarrkirche, die Schuke in Rostock-Uni von 1965 und die im Doberaner Münster (1980) fallen mir da zunächst ein.
Aber gim Vergleich dazu, wie viele sehr große Kirchen es hier gibt, fehlen moderne große Instrumente fast völlig. Da ist Güstrow noch eine Ausnahme, Doberan ist nicht wirklich groß, und das war es dann auch schon, wenn ich nichts übersehen habe. Die großen romantischen Orgeln wie Schwerin Dom, Demmin, Stralsund Nikolai haben natürlich wunderbare Register, sind aber bei vielen Stücken schlecht zu manövrieren, oder es gibt Probleme mit Klaviaturumfängen etc.


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