Voix humaine au Récit

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 30. Dezember 2024, 08:30 (vor 620 Tagen) @ Oberpfeife1882

An weiteren Stücken mit konkreter Forderung fallen mir noch mindestens ein:
Dubois - In paradisum
Lemmens - Prière
Lefébure-Wély - Choeur de voix humaines

Beim Dubois ist übrigens vor der Reprise die Anweisung bei gezoger Voix humaine: ajoutée Bourdon
Er nutzt also bewusst beides: Solo mit Tremulant, sowie mit Bourdon.

Es gibt KollegInnen, die als Alternative auf die Voix céleste zurückgreifen, was mangels Voix humaine verständlich ist. Wenn man besagte Stücke aber mit schöner Voix humaine im Ohr hat, vermisst man diese schmerzlich.

Ich bin stolzer "Besitzer" einer Vox humana im Schwellwerk bei folgender Situation:
Die ursprünglich geplante Batterie mit 16, 8, 4 ist verkürzt worden auf Trompette harmonique, Hautbois und Voix humaine.
16 und 4 können durch Oktavkoppeln, wenn auch im Bass mangelhaft, simuliert werden.
Der 4' wirkt dank der bis c'''' ausgebauten Manuale recht überzeugend, der fehlende linguale 16' ist spürbar (einen Bourdon 16' gibt's aber noch).
Trotzdem würde ich bei gestellter "Entweder oder"-Frage jederzeit die gewählte Lösung mit Voix humaine und Oktavkoppeln propagieren, denn die Voix humaine ist - wie oben bereits geschrieben - ein eigenes Phänomen und eine Klangfarbe, die ganz eigene Wirkungen erreichen kann. Zu meinem Glück ist mein Exemplar sehr vielseitig und reicht von frühbarockem Charme (gerade auch zusammen mit den Oktavkoppeln in 16, 8, 4) bis hin zum französischen Schmelz. Da ist dem Intonateur wirklich etwas gelungen.
Dank Stimmstecher an den Laden und einer recht guten Stimmhaltung ist die Pflege bei mir überschaubar und der Einsatz recht groß.
Trotzdem erinnere ich mich noch, dass KonzertbesucherInnen mich ganz gezielt einmal auf diesen speziellen Klang ansprachen.

Summa summarum:
Wenn es für 5 Zungen im SW nicht reicht, würde ich auf die Voix humaine nicht verzichten wollen. Wenn nur eine Zunge raus müsste, wäre es das Clairon, was ich mit 4'-Koppel auffangen würde.

Vielen Dank dafür und auch an Friedrich für seinen klugen Kommentar. So weit es mich betrifft, hätte ich durchaus das Bedürfnis, mindestens eine erkennbar kurzbechrige Stimme im Instrument zu haben, weil ich auf norddeutsche Choralfantasien nicht verzichten wollen würde - wie ich immer sage, nicht "authentisch" im Klang, aber "schlüssig" darstellbar. (Es wäre schade, wenn man Nicolaus Hasses "Komm, Heilger Geist" in seiner eigenen Kirche nicht ansprechend spielen könnte).
Außerdem tendiere ich zum Farbkasten mit Mischerfordernis, also einem Registerfundus, der nicht nur zum klugen und trickreichen Bau von Farben einlädt, sondern ihn in gewisser Weise auch erfordert. Daher habe ich durchaus Sympathie für den Ansatz, stark mit dem Bestand zu arbeiten, diesen aber deutlich besser zu stellen, das Pfeifenwerk maßvoll zu bearbeiten und vor allem zuverlässig und schnell (Setzer) abrufbar zu machen. Also, das ist eine Sympathie-Erklärung für das Rieger-Konzept. Dennoch muss das Instrument für reisende Musiker:innen attraktiv und schnell erlernbar sein, und der Anspruch, dass man hier Vieles besser als anderswo in M-V spielen kann, oder überhaupt erstmals in einer Kirche (ich zähle Neubrandenburg jetzt als Saalorgel), dann wird es natürlich spannend, das alles unter einen Hut zu bringen. Wie war des grad eben mit Unviersal-Orgeln...


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