Voix humaine au Récit

MichaelS ⌂, Dülmen, Montag, 30. Dezember 2024, 10:58 (vor 621 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

In der französischen Tradition seit dem Spätbarock kommt die Voix humaine recht regelmäßig vor. In den Kompositionen wie in den Orgeln. Interessant finde ich nach wie vor die ursprüngliche Disposition des Récit in Ste. Clothilde auf 8´-Basis mit den drei Zungen Trompette, Hautbois, Voix humaine.
Interessant finde ich in der Literatur auch die Konstellationen, in denen die Voix Humaine zum Einsatz kommt. Z. B. im Mittelsatz der ersten Guilmant in quasi Dialog mit der Clarinette des Positiv und der Begleitung, was fast schon eine viermanualige Anlage notwendig macht.

Moderne Orgeln französischer Prägung vergessen das schöne Register oft, meist fällt es ziemlich am Anfang der Planungsphase dem finanziellen Rotstift zum Opfer. Mir fällt gerade ein Beispiel der Mönch-Orgel in Ladenburg ein, da steht die Vox hum im Positiv (neben einer weiteren Zunge) aber mit einem eigenen Schweller versehen. Ganz interessant, aber erste Guilmant funktioniert da nicht ohne Weiteres.
In meiner aktuellen Dienstorgel kann ich den Voix-Humaine-Sound etwas imitieren mit der Oboe zusammen mit der Rohrflöte 4´ und dem ziemliche schnellen Tremulant.

Die drei Dispositionen für Rostock gefallen mir indes alle drei nicht wirklich.
- Die Disposition Weimbs/Grenzing ist sehr verliebt in diverse Spielereien, bringt ein paar Dispositionsfehler mit sich und vereint dann durch verschiedene Aux- und ET-Laden nur auf dem Papier zusammengehörige Register in einem Werk, die dann u. U. doch weit auseinander stehen. Ähnlich wie bei Klais ein im Kern klarer Aufbau, allerdings mit unnötigen Höhenstaffelungen und dem Kronwerk, das mir nach Problemen ruft.
- Die Disposition Klais ist etwas sehr einseitig in Richtung der deutschen Neu-Romantik, lässt dabei ebenso völlig das klassizistische Gehäuse außer Acht wie heute gerne gehörte Musik aus der englischen und der französischen Tradition. Schön bei Klais finde ich die klare Anordnung der Windladen und das SW ganz unten über dem Spieltisch.
- Die Disposition Rieger orientiert sich sehr am Klangbestand Sauer 1938 und wiederholt die in dieser Zeit oft gemachten Fehler. Nicht Fisch nicht Fleisch, nicht romantisch, nicht barock, das ganz frühe Stadium der Universalorgel. Da ist das Fehlen der V. H. im SW m. E. das kleinere Problem.

Allen drei Entwürfen ist gemein, dass die bei der Hauptorgel gemachten "Fehler" (ja, es ist subjektives Empfinden) direkt wiederholt werden. Es findet kein stilistischer Kontrast statt, so würde man doch vor Allem im Entwurf Klais doch eine barock ausgerichtete Orgel erwarten als Gegenüber.

Was ich jetzt für mich völlig außer Acht gelassen habe ist die Einordnung des Instruments in eine Orgellandschaft. An deutsch-Romantischen Orgeln mangelt es an der Ostsee bekanntlich nicht, auch größere und bedeutende Instrumente sind vorhanden. Barocke Instrumente sind auch vorhanden, ebenso deren Nachbauten. Und natürlich sind Orgeln aus den 30er- bis 70er Jahren vorhanden. Die "Moderne Großorgel" dürfte eher weniger vertreten sein.

--
"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
www.bulderone.de


gesamter Thread:

 

powered by my little forum