Voix humaine au Récit

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 30. Dezember 2024, 08:13 (vor 619 Tagen) @ Orlos

Guilmant hat eindrucksvolle Stücke für Voix humaine komponiert.
Bei Vierne gibt es zwar nur wenige Stellen mit Voix humaine, diese sind aber sehr apart. Es wäre doch recht schade, hier auf andere Klänge zurückgreifen zu müssen. Es gibt allerdings Orgeln, bei denen die Hautbois so fein intoniert ist, dass sie – ohne Grundstimmen gespielt – einen ähnlichen Effekt erzeugt.
Bei Rieger-Orgeln aus den 1990er-Jahren fiel mir auf, dass die Voix humaine wenig französisch klingt, trotzdem aber ihre Funktion erfüllt – und darüberhinaus sogar für Barockmusik taugt, also ein ganz brauchbarer Kompromiss (Richtung Bärpfeife), wie ich finde. Man könnte diese Vox humana in ein anderes Werk stellen, wenn dieses schwellbar ist. Zwar gibt es Registrierungsvorschriften wie "Bourdon 16+Voix humaine+Flûte 4", aber das ließe sich mit einer Koppel lösen. Eine nicht schwellbare Voix humaine ist für französische Symphonik eher sinnlos.

Ja, das sind die Antworten, die mich interessieren, gerade weil ich die Literatur nicht so gut kenne. Es geht natürlich wieder mal um Rostock und die Dispositionsentwürfe aus dem Wettbewerb bzw. eigene Gedanken - und um den Kompromiss zwischen Platz/Kosten und der Speisekarte: Wenn im Kern-Instrument Zungen im SW stehen, welche sollten das unbedingt sein, wenn das Instrument zwar vielsprachig sein soll, die Sprachen aber mit Akzent sprechen darf (der nach bisherigem Stand und in Fortsetzung der Tradition ein deutscher sein würde). Wir haben ja auch Auxiliare anvisisert, die können natürlich etwas übernehmen - wenn eine Voix humaine oder ein verwandter Kurzbecher in einem elektrischen Nebenwerk stünde, schwellbar, dann wäre das aufgrund der Tatsache, dass man mit diesem Register im Sinne französisch-symphonischer Literatur keine Musik macht, die schnelle Bewegung und präzise Ansprache bzw. maximale Synchronisation erfordert.
Blicken wir auf die Wettbewerbsbeiträge, so sehen wir in Grenzings "fantastischer" (weil aller Voraussicht nach eine kühne Fantasie bleibende) Orgel im SW das erwähnte Fünfer-Ensemble, wenn auch deutsch benannt. Rieger reduziert auf ein Quartett ohne Voix und bekanntlich unter Verwendung des vorhandenen Materials (die man sich im Falle dieser Register auch vorstellen kann, wobei die Schalmey 4' wahrscheinlich die größte Distanz zum vertretenen Clairon 4' haben würde); eine zusätzliche Voix ließe sich evtl. aus dem Aux I gewinnen, wenn man das dortige Regal 4' oktavversetzt anhängt (Das Krummhorn 8' ist zur Zeit ein sehr guter Voix-Vertreter, läge dann aber im Positiv, was Begleitkandidat und auch nicht schwellbar wäre. Bei Klais geht die SW-Dispo definitiv in die Deutschromantik, von einer Zungenbatterie kann bei Horn (alt. Trp.) und Oboe 8' kaum mehr gesprochen werden.


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