Bau-Blog zu Bad Segeberg (Winterhalter)

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 11. April 2024, 08:00 (vor 881 Tagen) @ Residual

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Nachdem wir hier kürzlich Lametta in's Spiel brachten, müssen wir den berühmten Satz allerdings umwandeln in: "Früher war mehr Pedal!"


Vielleicht eine Annäherung an immer schlechter ausgebildete Aushilfsorganisten, die mit ihren nur elementaren Kenntnissen im Klavierspiel die Pedalklaviatur allenfalls für lang ausgehaltene Bordunbässe nutzen?
Echte Pedalregister werden weiter mensuriert und passend intoniert gegenüber Manualregistern.
Wenn ich mir allerdings sonntäglich selbst von Orgelprofis das Non-Legato-Gehacke in Kirchen mit stumpfer Akkustik anhöre, wünsche ich ihnen einen Elementarkurs im eleganten französischen Spitze-Absatz-Pedalspiel, der auch an deutschen MHS zur Basisausbildung gehörte.

Die von uns hier diskutierten Instrumente werden weitab (=oberhalb) der Aushilfsorganistenszene bedient, auch noch in einigen Jahren. Das Spitze-Absatz-Spiel (ob französisch oder italienisch etikettiert) wird natürlich weiterhin gelehrt. Dass es etwas anders als Legato gibt und davon auc hviel mehr geben müsste, war schon in meiner Jugend die große Sauerstoffzufuhr nach Jahrzehnten des spieltechnischer Muffs, der sich, wie Schimmel über eine Bibliothek, über alle Stilepochen der gepflegten Orgelmusik ausgebreitet hat. Mögen die gespielten Noten damals mitunter auch sehr schnell, aber eben verklebt gewesen sein....

Wird Orgelspiel als Gehacke empfunden, ist das immer ein Geschmacks- bzw. Dosierungsproblem, keines der Technik an sich. Im L.O. ist das Auftrennen des Spiels, in allen Akustiken, gerade das hauptsächliche Mittel der Gemeinde-Kontrolle, noch vor der Registrierung (die dann nämlich sanfter ausfallen kann). Dabei ist aber, wie in der Literatur, eine permanente Beachtung des Zählzeitengewichts erforderlich, um die Trennungsräume differenziert zu gestalten. Fallen diese einheitlich aus, entsteht tatsächlich sofort der maschinelle und uninspirierte Charakter.

Es freut mich, dass Organisten wie Karosi oder Laube - bei den beiden fiel es mir zuletzt auf - eine derartige Kultur ganz unaufgeregt pflegen und den Spiel- und Hörgeschmack der Orgelszene in einem Sinne formen, der allen Kompositionen, die außerhalb bestimmter Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts entstanden sind, eine würdige Wiedergabe ermöglicht und die technische Leistungsfähigkeit (=Traktur) eines ekklektisch geschulten Orgelbaus nutzt.


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