Tobias Aehlig im Paderborner Dom

Friedrich @, Mittwoch, 06. August 2014, 00:45 (vor 4469 Tagen) @ Flûte harmonique

Eines der lohnenswertesten freien Stücke von Guilmant: Morceau de Concert Opus 24 (Prélude, Thème, Variations et Final).

Da stimme ich zu, das ist ein wunderbares, wahrhaft lohnendes Stück. Wer warme Fonds und ein schönes, französisch getöntes Schwellwerk unter den Fingern hat, sollte es versuchen. Ist leider nicht oft zu hören.

Mein zweiter Favorit bei Guilmant ist die 5. Sonate. Eine glatte Wucht, haushoch über den meisten anderen, die (Achtung, herablassende Äußerung) oft etwas Fugenseppeliges und allzu Behagliches haben. Die 8. Sonate geht in Ordnung, die 1. auch. Die anderen sind OK, nie nachlässig, aber auch nicht unbedingt superspannend.

Es lohnt, ihn gegen Widor zu hören – dabei lernt man etwas über beide. Man entdeckt dann den spielerischen, spekulativen Widor, der ein bisschen dandyhaft ein avanciertes Komponieren pflegt, meistens ohne echte Konsequenzen (Ausnahme: Romane, sonst einzelne Sätze aus den Sinfonien). Und den ernsthaften Guilmant, der melodisches Gespür und Kontrapunkt mit viel Geschmack ausbalanciert und einfach gut klingt – und außerdem diesen ungeheuren Literaturhintergrund hat. Ein demütiger Könner, der nie unter sein Niveau sinkt (was z. B. Widor durchaus passiert – siehe Priestermärsche und etliches aus der Vierten).

Gruß
Friedrich


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