Martinskirche Kassel

jrbecker @, Montag, 22. August 2011, 14:00 (vor 5552 Tagen) @ BourdonCéleste

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Eine spannende Grundsatzsdiskussion um dieses ewige Paradoxon...


Ja, wirklich spannend, und leider hetzt ein Termin gerade noch den anderen, so dass ich nicht die Gelegenheit habe, ausführlich zu antworten. Aber einfach mal zu zwei Punkten doch noch etwas in die Waagschale geworfen:

5. Ist man als Eigentümer oder Nutzer einfach arm dran, wenn schon was "Schönes" da ist und damit "Neues" blockiert ist? (Im Sinne von "wir haben schon ein Auto"?)

Sicher nicht, wenn das "Neue" das "Schöne" ergänzt. Keiner würde schreien, wenn man sich neben die Bornefeld-Bosch-Orgel eine französisches (oder von mir aus auch deutsches) Romantik-Imitat an eine andere Ecke der Kirche stellen würde. Wer aber will dann sicherstellen, dass das "Schöne" nach wie vor gepflegt wird? Ein sehr schönes Beispiel hierfür - allerdings ganz im Kleinen! - ist die Kirche in Ostenfeld: Hier baute Lorentzen 1776 eine Orgel im Chor über dem Altar, die nach etwas mehr als 100 Jahren offensichtlich nicht mehr gut war. Sauer baute 1905 ein neues Instrument, stellte es aber einfach auf die rückwärtige Empore, die Lorenzten-Orgel blieb stehen. So war es möglich, nach weiteren 90 Jahren die Lorentzen-Orgel (von der mittlerweile allerdings nicht merh so viel da war...) bei vollständigem Erhalt des Sauer-Instruments wieder zu rekonstruieren.

"Schönes" und "Neues" ergänzen sich hier in hervorragender Weise. Wer aber wollte so etwas für eine Orgel bzw. zwei Orgeln der Kasseler Größe finanzieren?

7. Sollte sich also generell der Musiker dem Instrument unterordnen und eben nehmen was da ist oder sich dort gar nicht hinbewerben, wo ihm die vorhandene Ausstattung nicht zusagt?

Kann sich ein Kraftfahrer auf eine Stelle als Postfahrer bewerben und dann sagen: Den Opel Combo fahr' ich nicht ich brauche mindestens 'nen 5er BMW Kombi? Was würde sein Arbeitgeber wohl dazu sagen?

Ja, eigentlich erwarte ich von einem Kirchenmusiker, dass er sich dem Instrument unterordnet - oder ich will es gerne etwas entschärfen: Ich erwarte, dass er das Vorhandene akzeptiert und weiter entwickelt (=das "Schöne" noch "Schöner" macht). Dazu kann im äußersten Falle auch gehören, dass er sich für einen Neubau einsetzt. Aber bitte nur dann, wenn er wirklich nur noch Schrott vorfindet (s. mein Reisebericht Allgäu...). Wenn sich ein Kirchenmusiker auf eine Stelle bewirbt, weiß er in der Regel, was auf ihn zukommt. Jemand, der sich mit der Absicht bewirbt, als erstes die vorhandene Orgel zu beseitigen, ist in meinen Augen der falsche Bewerber.

Wie bereits gesagt: Über das Kasseler Instrument kann ich mir kein Urteil erlauben, weil ich es nicht kenne, daher formuliere ich nur allgemein.

LG
Jörg


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