Barocke Groß-Balganlagen, war: Einführung differenzierter Winddrücke

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 11. November 2023, 22:24 (vor 1038 Tagen) @ Cremona

Die Glowatz-Orgel von Rostock St. Marien (1593, III/P/52-54) hatte laut Praetorius (dort ist der Eintrag aber sehr mangelhaft) 14, nach unserer eigenen Quelle von 1645 12 Spanbälge. Es gibt bei uns Mauerdurchbrüche in zwei Ebenen: Ob der obere schon damals mit benutzt wurde und theoretisch ein erster Kanal das Hauptgehäuse mit Werck und Pedal, ein zweiter in das RP führte (und dann gab es noch das BW, außerdem waren wie in Lübeck Marien Groß- und Kleinpedal in zwei Ebenen getrennt - im Werk und "im Schap", also Untergehäuse), das ist spekulativ.
Spätestens seit 1842 befanden sich noch zwei (Maßnahme Friedrich Winzer) befinden sich zwei große Bälge auf der oberen Etage und die Kanäle gehen durch den oberen Durchbruch. Sie könnten auf Winzer zurückgehen (er hat die Bälge "anders gelegt" und die Kanäle weiter gemacht) oder auf Marx (1798-93) oder noch auf Schmidt (1765-1770).
Die Maße der beiden verbliebenen Bälge - von der 12fachen Tretanlage sind noch die Kulissen für die "Steigbügel" da - betragen ca. 3,2 mal 2,1 Meter.
Ohne Maurerarbeiten bekommt man die im Ganzen da gar nicht raus... Sollte früher mehrere Bälge dieser Größe vorhanden gewesen sein, so wäre nur für zwei übereinander Platz, ergäbe sechs Etagen. Doch die Kulisse legt nach, dass die Bälge nicht exakt übereinanderlagen, mithin auch schmäler gewesen sein mussten.
Nachstehende Bilder: Längsschnitt durch die Kirche mit Lageskizze, angelegt zum Höhenvergleich das spätbarocke Instrument und meine nach Handwerker-Rechnungen und vergleichbaren Orgeln gezeichnete Skizze der Orgel von 1593 - unter Vorbehalt.
Dazu die südliche Kulisse mit dem einzigen erhaltenen Tretbügel, darunter der Blick nach oben inm Maschinenraum zu den zwei Keilbälgen.
Die fetten Balken sind sicher noch von der 1593er-Orgel. Über die Lagerpositionen älterer kleinerer Bälge könnte man an diesem Balkenwerk sicher etwas ablesen, aber die Gegend ist schwierig zu erreichen.
Darunter der Zettel aus dem Orgelinneren von 1842. Wie schon mal gepostet, darauf als Mitarbeiter August Neuburger, später Werkführer bei ACC! (Wahrscheinlich dachte er sich Jahre später in Paris: "Diese Rostocker Windanlage, das konnte ja nichts werden...")

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