? Einführung differenzierter Winddrücke in Deutschland

Cremona, Samstag, 11. November 2023, 09:12 (vor 1039 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Cremona, Samstag, 11. November 2023, 10:32

Einem Kaliber wie Walcker traue ich auch zu, ohne Kenntnisse früherer Orgeln mit einer derartigen Einrichtung auf ein solches Konzept gekommen zu sein.

Walcker war gebildet, er hat die Lateinschule besucht. Die damals aktuelle Orgelbauliteratur - zum Beispiel Schlimbach - wird er bestimmt gekannt haben, und dort findet sich bereits das Konzept dargelegt. Aber er hat sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch an älteren Großorgeln in Süddeutschland orientiert - eine derart große Orgel (damals die größte mindestens in Deutschland!) ohne eigene Erfahrung mit Großorgeln zu bauen, geht nur, wenn man intensiv bestehende Großorgeln studiert hat. Einen Hinweis auf sein Vorbild geben die Bälge: in Frankfurt waren es 12 Bälge im Format 14 Fuß mal 5 Fuß. Dieses Format ist ungewöhnlich länglich mit einem Verhältnis Länge:Breite von fast 3:1. Aber es gibt im 18. Jahrhundert dafür ein Vorbild: Josef Gabler in Ochsenhausen und Weingarten. Und auch die Zahl von 12 Bälgen für 5 Teilwerke entspricht der Gabler'schen Balganlage in Weingarten - aber auch der Balganlage der Hauptorgel von Joseph Martin in Zwiefalten. Diese eng an Gabler angelehnte Orgel kam ja 1807 in die Stuttgarter Stiftskirche und wurde 1827 von den Orgelbauern Walcker Vater und Sohn repariert und temperiert gestimmt. Bei der Gelegenheit hat Eberhard Friedrich Walcker diese Großorgel sicher intensiv studiert.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum