Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln

Friedrich @, Samstag, 08. November 2014, 12:04 (vor 4383 Tagen) @ ArnezN

Ich stimme Orlos zu, dass in dieser Orgel offensichtlich eine Portion spleeniger Historismus verbaut ist...

Wieso ist diese Orgel mit spleenigem Historismus ausgestattet, eine romantisierende Hochdruckkiste der aktuellen Bauart jedoch nicht?

Gute Frage! Ich finde die Orgel, jedenfalls der Disposition nach zu urteilen, eigentlich bemerkenswert modern für Edskes. Die einzigen Unterschiede zu vielen neuen Orgeln sind in der Tat das komplett selbstständige Pedal und der fehlende Balanciertritt. Wenn das Pedal in Mensuren und Intonation mit dem Hauptwerk gleichzieht, braucht es – das glaube auch ich – wirklich keine Koppel, und die zum Nebenwerk fehlt ja auch nicht, denn ein Franck-Schwellwerk ist ganz offensichtlich nicht beabsichtigt. Das ist trotzdem eine große und wahrscheinlich sehr vielseitige Orgel – drei Plena mit insgesamt fünf Mixturen, sechs verschiedene Achtfüßer in den Manualen, Cornet in I, kompletter Flötenchor in II, sechs Zungen, wo sonst höchstens drei stünden … Das liest sich doch wie eine Traumorgel!

Mal ehrlich: Stellt euch vor, ihr bekommt den Kirchenschlüssel – wann ruft ihr zuhause an, um zu sagen, dass es leider später wird? Nach zwei oder drei Stunden? Und wann steht ihr dann wirklich von dieser Orgelbank auf?

Ich glaube, dass ein guter Orgelbauer auch heute eine überzeugende Orgel komplett selbst konzipieren könnte, von der Disposition bis zu den Mensuren. Aber man lässt ihn ja in der Regel nicht …

Genau das wäre mein Traum. Einen suchen, dem man vertraut, und ihm dann freie Hand geben. Komplettemang.

aber im Gottesdienst will die Gemeinde vielleicht auch das 17. Jahrhundert mal akustisch verlassen, und dann muss man ohne Not oft rumpfuschen…

Im Gottesdienst will die Gemeinde nach meiner Erfahrung vor allem inspiriertes Orgelspiel, dass inhaltlich und stimmungsmäßig den Gottesdienst bereichert.

Und mit zwei Streichern in den Manualen und 16-16-8-8 im Pedal = zwölf verschiedenen grundtönigen Bassklängen nur damit, also noch ohne die Quinte und alles übrige gerechnet, dürfte sich das Rumpfuschen zwischen Mendelssohn und Karg-Elert auch in Grenzen halten. Zur Regerzeit hatten auch die meisten Orgeln bloß zwei Manuale, und das zweite war nicht mal immer eingekastelt. Die wohltemperierte Stimmung dürfte auch einiges aushalten.

Ich bin der Meinung, dass ein ausgebautes Pedal auch ohne Koppeln weitaus nützlicher für ein Kircheninstrument ist als jede Tuba, Schwebung oder Schwellwand zusammen.

Viele Grüße
Friedrich


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