Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565
Ohne selbst Position beziehen zu wollen, zitiere ich hier aus der Schlußbetrachtung oben genannten Buches (Dohr, 2. Auflage 1998, S. 109f.):
"Wie [...] gezeigt wurde, weicht - abgesehen von der problematischen Quellenlage - das Erscheinungsbild der d-moll-Toccata BWV 565 erheblich von der Gestalt einer Bachschen Orgelkomposition aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts ab. Da aus guten Gründen bisher nicht erwogen wurde, BWV 565 für ein Werk aus der Zeit von Bachs Meisterschaft anzusehen, hatte man ihm, um es für das Oeuvre zu retten, einen Platz unter den Jugendwerken zugedacht. Dem stehen die folgenden schwerwiegenden Argumente entgegen:
1. Ein unisono-Beginn, der die Kenntnis des neuen italienischen Stils voraussetzt.
2. Arpeggien, wie sie sch in Bachs Orgelwerken nur bei Transkriptionen italienischer Konzerte finden.
3. Ausgiebiger Gebrauch von Fermaten, die eher den Regeln Carl Philipp Emanuel Bachs entsprechen als denen seines Vaters.
4. Exzessiver Einsatz von Tempobezeichnungen, wie er für das frühe 18. Jahrhundert nicht belegt ist.
5. Stereotype Wiederholung musikalischen Materials anstelle von dessen Verarbeitung.
6. Äußerst schlichte Dreiklangsharmonik, die auf Nutzung der starken modulatorischen Möglichkeiten des verminderten Septakkords vollständig verzichtet.
7. Verzicht auf eine klar gegliederte Exposition mit anschließenden Durchführungen in der Fuge.
8. Verzicht auf kontrapunktische Techniken.
9. Kontrasubjekte, die keine sind.
10. Einstimmigkeit über weite Strecken der Fuge, nebst einem unbegleiteten Pedaleinsatz des Themas.
11. Altertümelnde Schlußkadenz mit Schlussakkord in Moll."
....ja, man braucht schon viele Argumente, wenn man unbedingt vor Bäumen den Wald nicht sehen will....;--)....
Man höre mal die 565-Fuge und die BWV 541- und 542-Fugen parallel an, oder meintetwegen auch nacheinander - wenn dahinter nicht ein- und derselbe Kopf steckt, dann fress' ich einen Besen. Es gibt auch sowas wie Esprit, "Drive", Dynamik - und die Fähigkeit, aus wenig viel zu machen: genau die hatte Bach. Und wer weiß denn schon, ob die Fermaten und Tempobezeichnungen sich nicht bei der Abschrift einer Abschrift einer Abschrift einer Abschrift irgendwann "eingeschlichen" haben? Ob Toccata und Fuge nicht aus einer Improvisation hervorgingen, die dann irgendwann mal den Weg aufs Papier fand? Und abgesehen davon: *hier* machen die Fermaten dramaturgisch unmittelbar Sinn. Warum sollte sie Bach also nicht verwendet haben, wo wir doch aus seinem Gesamtwerk und manchem biographischem Detail wissen, wie selbstbewußt er bislang geltende Grenzen überschritten hat (war da nicht was mit einer über Länge und Intensität seiner Vorspiele irritierten Gemeinde, war da nicht was nicht was mit ausgiebigen Präludien, die die Ignoranten in den Bänken und der auf der Kanzel nicht begriffen, und hat er's dann nach dem Tadel durch die Geistlichkeit beim nächsten mal nicht absichtlich zu kurz gemacht?).
Nein, nein - wenn die von jemand anders wäre, wäre jener andere kaum im Dunkel der Musikgeschichte verlorengegangen. Mag sein, daß es da ein paar vage Gesichtspunkte gibt, die bei sehr kleinteiliger Betrachtung nicht zum Rest seines Werks zu passen scheinen - mehr aber auch nicht.
Gruß,
Wolfgang
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Clemens Schäfer,
22.05.2014, 13:18
- Heike Ittmann, Auferstehungskirche D-Oberkassel -
Wolfgang Gourgé,
22.05.2014, 21:56
- Heike Ittmann, Auferstehungskirche D-Oberkassel -
Flûte harmonique,
22.05.2014, 22:44
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Manuel,
22.05.2014, 23:42
- Heike Ittmann, Auferstehungskirche D-Oberkassel - Florian-L, 23.05.2014, 08:51
- Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 -
aljoschka_dippold,
23.05.2014, 10:40
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Wolfgang Gourgé,
23.05.2014, 11:34
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Dorforganist,
24.05.2014, 00:24
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Wolfgang Gourgé,
24.05.2014, 00:46
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Manuel,
24.05.2014, 01:02
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Wolfgang Gourgé,
24.05.2014, 01:19
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Axel,
24.05.2014, 08:52
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Hilbrands,
24.05.2014, 10:42
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Orlos,
24.05.2014, 12:01
- Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 - Manuel, 24.05.2014, 18:52
- Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 - Evacuant, 24.05.2014, 13:22
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Florian-L,
25.05.2014, 08:50
- Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 - Evacuant, 25.05.2014, 15:01
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Orlos,
24.05.2014, 12:01
- Rolf Dietrich Claus, Zur Echtheit von Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 - Flûte harmonique, 25.05.2014, 17:17
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Hilbrands,
24.05.2014, 10:42
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Axel,
24.05.2014, 08:52
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Wolfgang Gourgé,
24.05.2014, 01:19
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Manuel,
24.05.2014, 01:02
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Wolfgang Gourgé,
24.05.2014, 00:46
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Dorforganist,
24.05.2014, 00:24
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Wolfgang Gourgé,
23.05.2014, 11:34
- Heike Ittmann, Auferstehungskirche D-Oberkassel - Friedrich, 22.05.2014, 23:46
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