Orgelbauer - Personalstil

Florgel @, Dienstag, 25. März 2014, 18:22 (vor 4596 Tagen) @ Friedrich

Vielleicht hatte er zu diesem Zeitpunkt schon resiginiert, aber ich habe immer ihn für den Schuldigen an der krausigen Weise-Einheitsdisposition gehalten.

Das Zitat ist nach seiner alleinigen OSV-Tätigkeit entstanden. Da hatte er nicht mehr so viel Projekte und ausgerechnet bei seinem "eigenen" Orgelprojekt im Dom hatte man ihn ausgespielt.

Ok, ein Septenhörndl als Zungenersatz war sein spezielles Steckenpferd, mit dem er die Dorforganisten manchmal erschreckte, aber ansonsten war alles ziemlich vorhersehbar, was er disponierte.

Ja, beim Kraus gibt´s auch Klassiker. Aber spannend sind die meisten Konzepte schon- außerdem war er durchaus etwas wendig. Es gibt auch mehr oder weniger "Französisch-Symphonisches" von ihm. Das große Domorgelkonzept von ihm ist ja auch sehr interessant. Die Ideen und Konzepte find´ ich nicht mal übel, auch wenn man sich über Choralbass 4´+1 1/3´, Sesquialter nur als Gruppenzug oder ähnliches streiten kann ;)


Ging es Kraus nicht eher darum, dass einfach überall und unter allen Umständen die Trompete im HW stand und Salizional und Oboe im SW, dass Posaunen immer erstmal ein »Still-« davor bekamen, damit sich die Gemeinde nicht so erschreckt, falls die Klavierlehrerin mal auf dem Rollschweller ausrutscht?

Das kann ich nicht bestätigen. Beispielhaft mal Amberg- Mariahilfbergkirche, Weise, 1978 III/25 genannt:
HAUPTWERK (1.Man., C-g'''): Prinzipal 8', Flute douce 8', Oktave 4', Holzflöte 4', Quinte 2 2/3', Prinzipal 2', Mixtur 1 1/3' 4f.
SCHWELLWERK (2.Man., C-g'''): Bleigedackt 8', Gamba 8', Prinzipal 4', Gemshorn 2', Sesquialter 2 2/3' 2f., Larigot 1' 2f., Zimbel 1/3' 3f.
BRUSTPOSITIV (3.Man., C-g'''): Holzflöte 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Septenhörnle 1 1/3' 3f., Scharff 2/3' 3f., Trompetenregal 8'
PEDAL (C-f'): Subbaß 16', Violonbaß 8', Choralbaß 4', Rauschpfeife 2 2/3' 4f., Posaune 8'

Oder Waldmünchen, natürlich ebenfalls Weise, 1977, III/26
RÜCKPOSITIV (1.Man., C-g'''): Holzgedackt 8', Jubalflöte 4', Prinzipal 2', Larigot 1' 2f., Spanische Trompete 4'
HAUPTWERK (2.Man., C-g'''): Quintade 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Schwiegel 2', Mixtur 1 1/3' 6f., Trompete 8'
SCHWELLWERK (3.Man., C-g'''): Bleigedackt 8', Gedackt-Schwebung 8', Prinzipal 4', Amorosa 4', Gemshorn 2', Septenhörnle 1 3/5' 4f., Scharff 1' 4f., Oboe 8', Tremulant
PEDAL (C-f'): Subbaß 16', Oktavbaß 8', Violon 8', Choralbaß 4', Rauschwerk 2 2/3' 4f., Posaune 16'

Eine Stillposaune disponiert von Kraus ist mir so eigentlich nicht bekannt.

Oder umgekehrt ausgedrückt: Orgelbauen und -spielen hatte für ihn mehr mit Spaß am Schöpferischen zu tun als mit Gewohnheit. Jedenfalls ist das der Eindruck, den seine Kompositionen und Dispositionen bei mir hinterlassen.

Viele Grüße,
Friedrich

Ja, das würde ich auch sagen, er war wohl schon eine Avantgardist. Ganz interessant dazu auch dieser Zeitungsartikel zu Sohn Wolfgang Kraus http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/artikel/fuer-ein-ave-verum-in-den-vati...
Zur Handwerklichen Ausführung vieler seiner Projekte möchte ich lieber nix sagen, aber dafür haben auch viele kleine Kirchen Orgeln bekommen und zu seiner Zeit war es auch noch nicht Usus seine Truhenorgel in der Schweiz zu bestellen.

Liebe Grüße,
Florian


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