Orgelbauer - Personalstil
Gibt es das heute auch noch, dass Orgelbauer einen so ausgeprägten Personalstil pflegen? Irgendwie scheint sich der Orgelklang immer mehr anzugleichen; als Beispiel: DEN 'Klais-Sound' scheint es so nicht mehr zu geben.
Oder ist ein so ausgeprägter Personalstil heutzutage schlicht nicht mehr marktfähig, weil von den Kunden nicht mehr erwünscht?
Gute Frage.
Ich glaube, es gibt ihn – aber wie zu allen Zeiten gibt es nicht unbedingt viele, die ihn sich trauen, sowohl unter Kunden wie unter Orgelbauern.
Die Handschrift eines Orgelbauers kann man sicher genauso im Technischen erkennen wie im Klanglichen. Wie sorgfältig einer auch hinter dem Prospekt arbeitet, wie großzügig oder eben nicht der Raum genutzt wird, wie groß der Anteil an zugekauften Teilen ist, woher sie zugekauft wurden …
Auch in den Prospekten hinterlässt ein Haus seine Spur. Die Berliner Schukes bevorzugen z. B. noch immer gerade Linien und meistens stabile Proportionen mit kräftigen Querlinien und rechten Winkeln; dazu kommen die fast unverkennbaren breiten Rundlabien bei weiten Mensuren, die sehr prägend wirkend. Der Eindruck ist oft etwas schwerfällig, manchmal etwas bieder. Bei sehr guten und wirtschaftlich potenten Orgelbauern habe ich öfter kompromisslose, gelungene Architektur gesehen als im Mittelfeld, wo die Formen auch mal halbgar, spießig oder geradezu ängstlich wirken.
Beim Klang von neuen Orgeln finde ich es auch schwer. Da hätte ich höchstens Verdachte, die sich schwer formulieren lassen.
Kräftig, ausgewogen über die ganze Teiltonpyramide und durch alle Registerfamilien, trotzdem mit balkig-starker 8'-4'-Zone, französische, aber leicht neutral klingende Zungen: Da würde ich erstmal auf eine neuere Rieger tippen. (Die älteren haben noch diese flächig-schillernden, fein-scharfen Mixturen, die mit den Zungen gleichziehen und so den sehr eigentümlichen Verschmelzungsklang des Tuttis ausmachen.)
Weich, laut, kräftiges, flächig-schillerndes Ensemble mit vielen unterschiedlichen, auch exotischen Farben, aber alles etwas richtungslos, irgendwie passiv – so habe ich viele neuere Klaisinnen erlebt.
Alles klassisch, ebenmäßig und beinahe glatt (aber mit deutlicher Artikulation), markant, aber nie die Grenze zum Aufdringlichen überschreitend und mit Sinn auch für delikate Töne, insgesamt sehr nobel, fürs Sinfonische fast zu sportlich: könnte eine Goll sein.
Prächtige Flöten und auf hohem Niveau verschmelzende Aliquoten, dafür etwas blasse Prinzipalchöre, mächtige vollbecherige Zungen über die gesamte Breite des Klangs, große Dynamik, aber wenig Struktur im Gesamtklang: Da stehen die Chancen auf van den Heuvel gut.
Lebhaft und hell, elegant und kernig gleichzeitig, von anspringender Direktheit und gleichzeitig fähig zum brüchig-zarten, mit charaktervollen, vielfältigen Zungen, leuchtenden Flöten und einer ganz klaren Gesamtstruktur im Klang, und man kann seine Ohren gar nicht losreißen … Aber langsam wird’s unsachlich. Jedenfalls würde ich da fragen: »War das der Saage?« (Persönliche Meinung – aber ja, ich glaube, der ist wirklich so gut.)
Bei kleineren Orgeln gäbe es allerdings die Chance, dass er’s nicht war, sondern vielleicht einer von Winterhalters Leuten. Dessen Intonation empfinde ich als ähnlich charaktervoll, saftig, aber nicht breitspurig – einfach gut und interessant, ohne sich zu spreizen.
Solide, ausgewogen und mit französischen Zungen und Aliquoten, etwas einfach, aber man kann wirklich nix sagen: Vielleicht eine Heintz?
Natürlich gibt es zahllose Orgelbauer und Intonateure, darunter sicher auch große Künstler abseits der großen global players. Die kenne ich einfach nicht, wäre aber neugierig.
Aber meine Ohren interessiert bei neueren Orgeln erstmal die musikalische Qualität, ob der Klang Substanz, Charakter und Struktur hat, ob alles zusammen passt, gut im Raum steht, ihn aber nicht plattmacht. Wie das im einzelnen dann klingt, ist eine andere Frage. Wenn ich allerdings so etwas wie Neutralität spüre, so eine Unentschiedenheit, dann bin ich eher enttäuscht. Es ist auch eine Frage des Formats – wenn ein Intonateur einer großen Orgeln ebensoviel Charakter geben sein wie einer kleinen, dann hat er’s ziemlich drauf.
In aller Vorläufigkeit viele Grüße,
Friedrich
gesamter Thread:
- Orgelbauer - Personalstil -
kjz1,
24.03.2014, 20:55
- Orgelbauer - Personalstil -
stein,
24.03.2014, 21:38
- Orgelbauer - Personalstil - kjz1, 25.03.2014, 08:38
- Orgelbauer - Personalstil -
Orlos,
24.03.2014, 23:22
- Orgelbauer - Personalstil - FranzS., 24.03.2014, 23:31
- Orgelbauer - Personalstil -
FranzS.,
24.03.2014, 23:26
- Orgelbauer - Personalstil -
Dorforganist,
24.03.2014, 23:29
- Orgelbauer - Personalstil -
Florgel,
25.03.2014, 10:48
- Orgelbauer - Personalstil -
Dorforganist,
25.03.2014, 16:53
- Orgelbauer - Personalstil -
Friedrich,
25.03.2014, 17:20
- Orgelbauer - Personalstil -
Florgel,
25.03.2014, 18:22
- Orgelbauer - Personalstil -
Friedrich,
25.03.2014, 19:07
- Orgelbauer - Personalstil - Florgel, 26.03.2014, 21:14
- Orgelbauer - Personalstil -
Friedrich,
25.03.2014, 19:07
- Orgelbauer - Personalstil -
Florgel,
25.03.2014, 18:22
- Orgelbauer - Personalstil -
Friedrich,
25.03.2014, 17:20
- Orgelbauer - Personalstil -
Dorforganist,
25.03.2014, 16:53
- Orgelbauer - Personalstil -
Florgel,
25.03.2014, 10:48
- Orgelbauer - Personalstil -
Dorforganist,
24.03.2014, 23:29
- Orgelbauer - Personalstil -
Friedrich,
24.03.2014, 23:59
- Orgelbauer - Personalstil - stein, 25.03.2014, 16:13
- Orgelbauer - Personalstil -
Karl-Bernhardin Kropf,
25.03.2014, 20:48
- Orgelbauer - Personalstil - JRorgel, 08.04.2014, 20:15
- Orgelbauer - Personalstil -
daggies,
09.04.2014, 07:26
- Orgelbauer - Personalstil - Kleinorgelspieler, 09.04.2014, 08:22
- Orgelbauer - Personalstil -
stein,
24.03.2014, 21:38